Vater mit Jungen [ (c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka, Siedlerzeile 3, A-4062 Thening, Tel. + 43 676 5103678.Verwendung nur gegen HONORAR, BELEG, URHEBERVERMERK nach AGBs auf bilderbox.com]
Wie muss ich sein, damit ich ein „richtiger Mann” bin? Ein geeignetes Vorbild zu finden, ist für Buben gar nicht so einfach.
Es sind meist Buben, die als Störenfriede in Schulklassen auffallen oder als Diebesbande traurige Berühmtheit erlangen. Oft ist dann von der „Krise der Buben“ zu hören. Buben zu helfen, ihren Platz im Leben zu finden, ist ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen.
Die Väter fehlen. „Vielen Buben fehlen im Alltag authentische Männer“, meint Eduard Waidhofer. Er hat als Pionier in der Männerberatung erforscht, was Buben auf dem Weg zum Mann-Sein brauchen. Wichtig ist, die Buben zu verstehen. „Je mehr Probleme sie machen, desto mehr Probleme haben sie“, sagt Waidhofer. Die Väter fehlen nicht nur, wenn die Eltern getrennt sind. Auch in intakten Familien sind sie oft „nicht anwesend“. Dabei geht es nicht so sehr darum, wie viel Zeit sie miteinander verbringen, sondern um eine gute Beziehung.
„Papa“ von Anfang an. Ideal wäre für Waidhofer ein „Papamonat“ – eine arbeitsfreie Zeit nach der Geburt eines Kindes, damit Väter von Beginn an eine intensive Beziehung zum Kind aufbauen können. In Wirklichkeit steigern die meisten Männer mit der Geburt eines Kindes ihr berufliches Engagement. Buben werden in der Regel von Frauen erzogen: von der Mutter, dann von der Kindergärtnerin und der Lehrerin. Spätestens in der Pubertät wissen sie, dass sie – wenn sie ein Mann werden wollen – anders sein müssen als Frauen. Sie lehnen daher oft alles ab, was sie von Frauen kennen: etwa die Art, sich mitzuteilen, oder pflegerische Aktivitäten. Vorbilder suchen sie in den Medien, und da sind männlicheHelden häufig gewalttätig. Das heißt dann: Wer gewalttätig ist, ist cool und männlich.
Gefühle zeigen. Buben erleben kaum, dass Männer traurig sind, Angst haben oder sich Hilfe und Unterstützung holen. Auch Väter zeigen das nicht. Noch immer kann man hören: „Ein Bub weint nicht.“ Buben fühlen sich schnell als Versager, wenn sie den traditionellen Ansprüchen an die Männerrolle nicht entsprechen können. Ihre größte Angst ist, als unmännlich zu gelten. Sie versuchen daher, sich lässig, überlegen, unverwundbar und angstfrei zu zeigen. Sie wollen immer stärker, schneller und besser sein als andere. Niederlagen werden verdrängt, es zählt nur der Erfolg.
Zur Sache
Buben erziehen
- Eltern sollen Kinder als Kinder erziehen und nicht danach, dass sie Rollenbildern entsprechen. „Eigentlich heißt ,männlich‘ nichts anderes als ,menschlich‘, bringt Eduard Waidhofer sein Anliegen auf den Punkt.
- Kinder müssen Wertschätzung spüren. Das drückt sich auch aus in der Zeit, die Eltern mit ihnen verbringen. Für Buben ist die Zeit mit dem Vater besonders wichtig.
- Buben gegenüber sind Erwachsene oft toleranter. Es heißt dann: „Buben sind halt so.“ Dabei wäre es wichtig, ihnen auch die Grenzen für ihr Verhalten aufzuzeigen. Buben testen häufig aus, wie weit sie gehen können. „Sie müssen aber auch lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen“, meint Waidhofer. Eltern sollen nicht alles „ausbügeln“, was ihr Sohn angestellt hat. Zum Beispiel nicht einen entstandenen Schaden bezahlen, ohne das Geld vom Sohn zurückzuverlangen oder eine Gegenleistung zu überlegen. Wenn Kinder Wertschätzung spüren und sich angenommen fühlen, sind sie auch eher bereit, Grenzen zu akzeptieren.
- Wenn Buben angeleitet werden, auf ihre Gefühle und Bedürfnisse zu achten, diese ernst zu nehmen und zu äußern, kann sich ihr Selbstwertgefühl besser entwickeln. Die Förderung von Eigenständigkeit wirkt sich ebenso positiv auf das Selbstbewusstsein aus. Das dient letztlich auch der Gewaltprophylaxe. Denn Gewalt entsteht häufig aus mangelndem Selbstwert und einem Gefühl der Ohnmacht.
- Buben haben einen „Vater-Hunger“, sagt der Männerforscher Richard Rohr. Siebrauchen realistische männliche Leitbilder, die Orientierung und Halt geben.
- Buchtipp: Kraftvoll und lebendig Mann sein, Eduard Waidhofer, Tyrolia 2003, 14,90 Euro.