Bei ihrer Sonder-Bischofskonferenz in Wien gaben Österreichs Diözesanbischöfe am Montag, 16. Februar, ein Startsignal für einen Neuanfang in der Kirche Österreichs. Sie mahnen auch von Rom die Achtung der bestehender Regeln ein.
Solches Gedränge gab es schon lange nicht mehr, wenn die Kirche zu einer Pressekonferenz in den „Club 4“ am Stephansplatz einlud. Selbst die New York Times hat für ein paar Stunden einen Kollegen aus Berlin nach Wien beordert. Dr. Christoph Kardinal Schönborn verliest zunächst den mit Spannung erwarteten Hirtenbrief, an dem die Diözesanbischöfe seit den Vormittagsstunden gearbeitet hatten. Und dieser lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Bischöfe wollen den Weg der Mitte festigen. Auch Bischofsernennungen sollen dem entsprechen (siehe Dokumentation Seite 10/11).
Wagner-Rücktritt angemessen. Die Kommunikation muss besser werden – in Rom und mit Rom. Kardinal Schönborn verspricht: Das wird auch so. Zunächst kommt er auf die Vorgänge um die Rücknahme der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe zu sprechen, dann auf den eigentlichen Hauptpunkt: die Irritationen um die Ernennung des Weihbischofs Gerhard Wagner und die Umstände der Zurücklegung des Amtes durch Wagner selbst, einen Schritt, den Schönborn „für angemessen“ hält.
Bischofsernennungen mit Sensibilität. Einer der Kernanliegen der Bischöfe betrifft das Verfahren der Bischofsernennung. Kardinal Schönborn hält das Ernennungsverfahren für zielführend, „wenn es eingehalten wird“. Im Falle Wagner hätte es nur ein verkürztes Verfahren ohne die vorgeschriebene breite Befragung gegeben. Bei Bischofsernennungen sei aber höchste Sensibilität angebracht. Verlässliche und umfassend geprüfte Grundlagen müssten als Basis für die Entscheidungsfreiheit des Papstes gegeben sein. „Man muss es als Fehler bezeichnen, dass das nicht eingehalten wurde“, wurde Schönborn im Falle der Ernennung Wagners deutlich. Für die anstehenden Bischofsernennungen in Österreich zeigte sich Schönborn überzeugt, dass die Verfahren eingehalten werden. „Dadurch kann sichergestellt werden, dass Bischöfe nicht gegen, sondern für eine Ortskirche ernannt werden.“ Für die Diözese Linz äußerte er im Namen der Bischöfe den Wunsch, „dass alle Gruppen im Gespräch künftig das Miteinander suchen und dass man einander respektiert“.
Bischof Schwarz: Linz steht groß da
„Alles wird sich jetzt ändern und besser werden.“ Auch Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz stand nach der montägigen Bischofskonferenz im Mittelpunkt des Medieninteresses. Ihm war anzumerken, welche Sorgenlast zuletzt auf ihm lastete. „Es war ein guter, wichtiger Tag für unsere Diözese“, meinte er. Die Voraussetzungen für die Zukunft wären nun besser.
Nachdenkpause. Bischof Ludwig Schwarz will nun eine Pause einlegen und dann erneut um einenWeihbischof ansuchen. „Mir ist es ein großes Anliegen, dass das im Sinne der Ortskirche, zumindest im Sinne der Mehrheit der Diözsese geschieht“, betonte Schwarz. Mit den Gremien und dem Domkapitel werde er sich beraten.
Wagner bleibt Pfarrer. Was Pfarrer Gerhard Wagner betrifft, äußerte Schwarz Respekt vor dessen Entscheidung zum Wohl der Diözese. Diese Entscheidung wäre im Miteinander getroffen worden. Schwarz kündigte an, Wagner bleibe Pfarrer in Windischgarsten. Er wünsche aber, dass er sich stärker im Dekanat und in der Diözese einbringe.
Spaltung verhindern. Jetzt sollten in der Diözese Linz wieder alle zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen, betonte der Bischof. Ich will alles tun, um Spaltung zu verhindern und das Miteinander finden, das schon immer die Kirche von Linz ausgezeichnet hat. „Linz steht groß da – unter vielen Aspekten, das muss man sagen“, zeigte sich Schwarz stolz auf seine Diözese. Wenn es nach anstrengenden Tagen im Auto nach Hause geht, lädt Bischof Schwarz seine Mitreisenden im Auto gerne zu einem Rosenkranzgebet ein. Auf der gemeinsamenRückfahrt von Wien war es der Freudenreiche.