In Architektur gegossene Glaubensräume bedürfen der künstlerischen Gestaltung, der Pflege, der Neuausrichtung. Die Pfarre Mondsee hat sich diesen Herausforderungen gestellt. Wie sich das Pfarrleben seit dem Ende der Bauarbeiten im Jahr 2008 verändert hat, fragten wir Pfarrer Dr. Ernst Wageneder.
Wie hat sich die Restaurierung der Basilika und Neugestaltung des Altarraums auf das Pfarrleben ausgewirkt? Dr. Ernst Wageneder: Wir haben uns bemüht, bei aller Arbeit in der Basilika auf die „innere Neugestaltung“ und die „geistige Restaurierung“ nicht zu vergessen. Feiern in einem großartigen Raum will gut vorbereitet sein. Neben liturgischen Aspekten gab es aber auch eine merkliche Vertiefung des „Teamworks“ und eine spürbare Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls.
Welchen Einfluss hat der veränderte Raum auf die Gestaltung liturgischer Feiern? Hand in Hand mit der Restaurierung ging und geht eine behutsame Erneuerung alter Formen und liturgischer Bräuche, wobei wir manchmal ganz bewusst das benediktinische Erbe von Mondsee ansprechen, und andererseits die Botschaften des Glaubens in moderner, zeitgemäßer Form verkünden. Dabei werden die zur Verfügung stehenden Räume für unterschiedliche Gestaltungen genutzt. Diese Form verschiedener Angebote zu verschiedenen Zeiten wird in der Pfarre sehr geschätzt.
Wie beeinflusst Kunst die Glaubenswelt und umgekehrt? Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass uns die Kunst viele Anknüpfungspunkte zur Kommunikation mit den Besuchern unserer Basilika bietet. Darüber hinaus ermöglicht das „Klangerlebnis Basilika“ für viele einen Grund, Gottesdienste und Konzerte in Mondsee zu besuchen. Musik bildet eine wichtige Brücke. Die neue Altarraumgestaltung mit dem Ambo in der Mitte des Stiegenaufganges bildet die sichtbare Brücke vom Volksaltar zu den Menschen im Kirchenschiff.
Gibt es mehr Wertschätzung der historischen Substanz gegenüber? Überall ist die Freude über die gelungene Restaurierung groß. Es ist erstaunlich, wie die Bedeutung der historischen Substanz für das liturgische Leben der Basilika geschätzt wird. Plötzlich ergeben sich neue Dimensionen des Feierns, die in Zukunft durch die verstärkte Einbeziehung des Kreuzganges für Prozessionen im Kirchenjahr sowie Konzerte noch zusätzlich wirken werden.
Wie hat sich die zeitgenössische Altarraumgestaltung ins Ensemble eingefügt? Die Altarraumgestaltung unseres ladinischen Künstlers Lois Anvidalvarei wirkt in ihrer Klarheit gerade als Beitrag des 21. Jahrhunderts so intergrierend, dass alteingesessene Mondseer spontan bekannten: „Ja, es ist noch immer unsere Kirche, wie wir sie jahrzehntelang erlebt haben.“ Vorausgegangen war nicht nur eine bemerkenswerte Übereinstimmung bei der Entscheidungsfindung im Rahmen des Wettbewerbes. Auch in den pfarrlichen Gremien gab es durch gezielte Information immer einen gleichen Wissensstand ohne Überraschungen.
Inwiefern hat sich der Einsatz der Pfarre für Restaurierung und Neugestaltung gelohnt? Wir können in den vergangenen Monaten einen Anstieg der Kirchenbesucher, vor allem auch bei den Gottesdiensten, verzeichnen. Wir sind uns bewusst, dass die Basilika ein Anziehungspunkt für den internationalen Tourismus („Sound of Music“– Hochzeitskirche) darstellt. Ein eigener Koordinator kümmert sich um die Anfragen in- und ausländischer Chöre, um in der Basilika singen zu können. Ja, wir müssen zugeben, dass uns die anerkennenden Kommentare vieler Besucher in unseren Ideen und Konzepten bestätigen.
Gelungene Denkmalpflege
Zur SacheDie Pfarre, Mondseer Gemeinden, die Diözese Linz, das Bundesdenkmalamt und das Land OÖ haben sich die Kosten der Restaurierungsarbeiten in der Höhe von 3,8 Millionen Euro geteilt. Gespräche zwischen allen Beteiligten waren wichtig: Von der Finanzierung bis zur Frage, welche Form der künstlerischen Gestaltung gewählt wurde. Mit einem Denkmalpreis des Landes OÖ wurde die Pfarre Mondsee im Jahr 2008 für die Gesamtsanierung des Innenraums der Basilika und die Restaurierung der Ausstattung geehrt.
Theologie des Raumes. Pfarrer Ernst Wageneder erlebte sich dabei oft als Übersetzer an den Schnittstellen zwischen Pfarre und Restauratoren. Sich als Seelsorger mit der Theologie des Raumes und mit der Gemeinde zu beschäftigen, sieht er nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. „Das Bemühen und Festhalten für eine einladende Gemeinde, die offen und dynamisch den jesuanischen Weg geht, ist mir wichtig“, erklärt Ernst Wageneder, Kirchenrektor der Basilika Mondsee.
Kunstgut pflegen
Kunstgut richtig pflegen? – Der Kirchenpfleger-Kurs der Diözese Linz bietet hier das nötige Wissen und Verständnis, um mit dem Kunstgut in den Kirchen richtig umzugehen. - Informationen: Kunstreferat, 0732/73 65 81-44 40. Der neue Kurs beginnt am 20. März in Linz.