Ausgabe: 2009/08, Kommunikation, Verweigerung, Pastoralinstruktion, Papst Paul VI., Gerhard M. Wagner, Diözese, Informationskanäle, Bischofskonferenzen
18.02.2009
In seiner Pastoralinstruktion über die modernen Medien hat Papst Paul VI. die offene Kommunikation in der Kirche als wesentlichen Beitrag für ihre Einheit bezeichnet. Die Erschütterungen, die derzeit durch die Kirche gehen, haben auch damit zu tun, dass eine ehrliche Kommunikation gefehlt hat oder bewusst ausgehebelt wurde. Darauf weist niemand Geringerer als der Chef des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, hin. Er beklagte, dass vor der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe die am meisten davon betroffenen Bischofskonferenzen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz nicht eingehend konsultiert wurden und die Kommunikation zwischen den vatikanischen Ämtern äußerst mangelhaft war. Dass dies nur „Schlamperei“ war, ist bei einem derart schwerwiegenden Vorgang nicht anzunehmen. Da wurde offensichtlich von bestimmten Kräften in der römischen Kurie Kommunikation verweigert. Ein Scherbenhaufen ist die Folge.
Verweigerte oder bewusst ignorierte Kommunikation liegt auch im Fall der – inzwischen zurückgenommenen – Ernennung von Gerhard M. Wagner zum Linzer Weihbischof vor. Hätte man den im Kirchenrecht vorgesehenen Kommunikationsvorgang (Befragung der Priester und führenden Laienvertreter/innen) ernst genommen, wäre Wagner nie auf eine Bischofs-Liste gekommen. Aber anstatt auf eine ehrliche Kommunikation mit der betroffenen Diözese zu setzen, bediente man (wer?) sich offenbar anderer „Informationskanäle“ – und löste damit eine schwere Vertrauenskrise aus.