7. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 22. Februar 2009
Ausgabe: 2009/08, heil werden, Körper, Seele, 7. Sonntag im Jahreskreis, Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit, Regina Brandl, Wort zum Sonntag, Steppe, Wüste, Evangelium, Lesung
18.02.2009
Gottes Gerechtigkeit ist nicht einfach dazu da, die Menschen der Ungerechtigkeit zu überführen. Gott ist gerecht, weil er/sie die Menschen gerecht macht. „Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ Vergeben und Vergessen ist das Vergangene, ein neuer Anfang ist möglich, aufrecht und ehrlich.
Evangelium
Mk 2, 1–12
Als er einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde bekannt, dass er (wieder) zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten die dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen (die Decke) durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre, und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.
1. Lesung
Jes 43, 18–19. 21–22. 24b–25
Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste. [. . .] Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden. Jakob, du hast mich nicht gerufen, Israel, du hast dir mit mir keine Mühe gemacht. [. . .] Nein, du hast mir mit deinen Sünden Arbeit gemacht, mit deinen üblen Taten hast du mich geplagt. Ich bin es, der um meinetwillen deine Vergehen auslöscht, ich denke nicht mehr an deine Sünden.
2. Lesung
2 Kor 1, 18–22
Gott ist treu, er bürgt dafür, dass unser Wort euch gegenüber nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn Gottes Sohn Jesus Christus, der euch durch uns verkündigt wurde – durch mich, Silvanus und Timotheus – ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen. Gott aber, der uns und euch in der Treue zu Christus festigt und der uns alle gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel aufgedrückt und als ersten Anteil (am verheißenen Heil) den Geist in unser Herz gegeben hat.
Gottes Segen komme zu uns
dass wir stark sind in unserer schöpferischen Kraft und mutig sind in unserem Recht, dass wir Nein sagen, wo es nötig ist und Ja sagen, wo es gut ist, dass wir schreien, wo Unrecht ist und schweigen, wo Entsetzen ist, dass wir Weisheit suchen und finden und Klugheit zeigen und geben. Gottes Segen komme zu uns, dass wir die Wirklichkeit verändern und das Lebendige fördern.
Nach einem Gebet von Hanna Strack
Wort zum Sonntag
Gott will den aufrechten Gang aller Menschen
Wenn das nicht hartnäckig ist! Weil sie mit dem Gelähmten durch die Menschenmenge nicht zu Jesus durchkommen, decken sie einfach das Dach ab und lassen den Mann hinunter. Es wird berichtet, dass es der Glaube der Begleiter war, der Jesus zu sagen veranlasste: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Will das der Mann überhaupt? Haben seine Begleiter diese Anstrengung unternommen, damit ihm die Sünden vergeben werden? Sind sie nicht eher gekommen, weil er wieder gehen will, weil sie von Jesus körperliche Heilung für ihn erwarten? Jesus sieht ihren Glauben und sagt zu dem Gelähmten: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Im Gespräch mit den Schriftgelehrten kehrt Jesus das Geschehen nochmals um. Als Beweis, dass er in der Vollmacht Gottes handelt, dass er Sünden vergeben kann, heilt er das körperliche Gebrechen des Mannes. Das ist wohl seltsam: Auf den Wunsch hin, geheilt zu werden, vergibt Jesus die Sünden, und als Beweis seiner Vollmacht zur Sündenvergebung heilt er die Lähmung. Gehören Sündenvergebung und Heilung so eng und untrennbar zusammen?
Gott will den aufrechten Gang, körperlich und seelisch, das ist für mich die Botschaft des Textes. Aufrecht sollen wir vor ihm stehen, trotz unserer Fehler, Schwächen und Sünden. Das ist kein Freibrief für ein liederliches Leben, sondern die Zusage, dass wir immer wieder neu anfangen dürfen. „Seht her, nun mache ich etwas Neues“, heißt es bei Jesaja, „Ja, ich lege einen Weg durch die Steppe und Straßen durch die Wüste.“ Und das, obwohl das Volk Gott mit seinen Sünden „Arbeit gemacht hat“. Nicht durch Leistung und Opfer erhält der Mensch Gottes Zuwendung, sondern weil Gott liebt. Das ist so befreiend! Wir können uns Gottes Gnade nicht erkaufen – sie wäre keine Gnade mehr, sondern gerechter Lohn. Wir dürfen aber aus der Verheißung und der Zusage Gottes leben, dass er den aufrechten Gang aller Menschen will.
Zum Weiterdenken
Erkenne ich Gottes „Weg durch die Steppe“ und „Straßen durch die Wüste“?
Regina Brandl ist Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein in Innsbruck.