Das Leben hat seine Grenzen, das können Kinder von ihren Eltern lernen
Ausgabe: 2009/08, Andrea Holzer-Breid, Erziehung, Grenzen, Diebstahl, Strafe
18.02.2009
- Mag. Andrea Holzer-Breid
Mutter schimpft mit ihrem Sohn [ NUR FUER REDAKTIONELLE VERWENDUNG! (c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka, Siedlerzeile 3, A-4062 Thening, Tel. + 43 676 5103678.Verwendung nur gegen HONORAR, BELEG, URHEBERVERMERK nach AGBs auf bilderbox.com], Altersgr
Aus der Praxis: Max ist zehn Jahre alt und hat in einem Supermarkt ein Cola undeinen Kaugummi gestohlen. Die Elternwurden von der Nachbarin informiert, da deren Sohn es erzählt hatte. Die Eltern von Max – Sabine und Wolfgang – sind am Boden zerstört und befürchten, dass ihr Sohn auf die schiefe Bahn gerät. Wolfgang schlägt in der ersten Wut Max auf den Po und verpasst ihm eine Woche Hausarrest. Sabine ist völlig hilflos wegen des Verhaltens ihres Sohnes und ärgert sich über die Härte ihres Mannes: „Er wird immer gleich so grantig und haut dem Buben eine runter. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll!“
Wenn die Eltern zum Verhalten des Kindes klar Stellung beziehen, lernt Max, dass im Leben nicht alles möglich ist, und spürt seine Grenzen.
Für die Eltern ist es zuerst einmal ein Schock, zu merken, dass das Kind etwas Schlimmes angestellt hat. In der Erstreaktion kommt Wut, Trauer und Angst hervor. Die Eltern dürfen und sollen diesen Gefühlen auch Luft machen:
- Auf keinen Fall das Kind abwerten (zum Beispiel: „Du bist so ein Trottel.“). Das Kind ist ein guter Mensch, aber das Verhalten war nicht in Ordnung. - In einer Ich-Botschaft die Gefühleschildern. Zum Beispiel: „Es macht michunheimlich wütend, dass du etwas gestohlen hast. Stehlen ist für mich wirklich das Allerletzte. Wir müssen erst mal schauen, wie wir damit umgehen können.“
Angemessene Strafe. Welche Strafe istangemessen? Eine gute und angemessene Strafe ist eine, aus welcher das Kind persönlich etwas lernt. Als Strafe ist jede Art von Gewalt abzulehnen. Sei es körperliche Gewalt (Klaps auf den Po, Watsche ins Gesicht, Haare ziehen) oder psychische Gewalt (Liebesentzug, persönliche Abwertung). Diese Strafen werten das Kind in seiner Persönlichkeit ab und stören die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Sie fördern entweder die Aggression des Kindes oder dessen Rückzug mit dem Gefühl: „Ich bin nichts wert“.
Wiedergutmachung. Kinder lernen ammeisten daraus, wenn sie das, was passiert ist, wieder gutmachen müssen. In diesem Fall könnten die Eltern gemeinsam mit Max eine Wiedergutmachung überlegen. Eine gute Möglichkeit wäre es, wenn das Kind (gemeinsam mit den Eltern) zum Supermarkt geht und die gestohlenen Dinge, die es von seinem Taschengeld nachgekauft hat, zurückgibt. Das ist wahrscheinlich hart für das Kind, aber es lernt, dass es selbst die Verantwortung für sein Verhalten übernehmen muss und kann. Und für die Entschuldigung (Ent-Schuldung) ist es auch manchmal notwendig, etwas Schweres zu tun.