In den Dörfern der indischen Sundarbans herrscht große Armut. In Selbsthilfegruppen werden Frauen deshalb dabei unterstützt, ihr Leben nachhaltig zu verbessern.
Die Fahrt in der aus drei Rädern bestehenden Motorrikscha rüttelt ordentlich durch. Es geht in Richtung Bazar Beria, vorbei an Menschen, die sich am Straßenrand die Zähne putzen oder ihre Waren zum Markt tragen. Ein schmaler Weg wird eingeschlagen, auf dem die Motorrikscha gerade noch Platz hat. Zwischen grünen Reisfeldern und Wasserteichen, die von Palmen und Bananenbäumen umgeben sind, führen lehmige Wege nun nur noch zu Fuß von einer Hütte zur anderen.
Armut. Bazar Beria ist ein kleines indisches Dorf in den Sundarbans, dem größten Mangrovenwald der Erde, der 150 Kilometer südlich von Kalkutta im Gangesdelta liegt. Das Gebiet wird immer wieder von Zyklonen und Überschwemmungen heimgesucht. Die 500 Familien im Dorf sind arm und leben vor allem von der Landwirtschaft. Eigenes Land besitzen sie nicht. Die Männer und Frauen schlagen sich als Tagelöhner mit geringem Verdienst durch, etwa auf den umliegenden Reisfeldern. Die meisten hier können nicht lesen und schreiben. Es gibt keinen Strom, die Infrastruktur fehlt, es mangelt an Toiletten und medizinischer Versorgung. Das Grundwasser ist verschmutzt, das Trinkwasser knapp. Für die 3000 Dorfbewohner steht nur ein Brunnen mit sauberem Wasser zur Verfügung.
Hilfe zur Selbsthilfe. Mayarani Sardar sitzt im Schneidersitz auf dem Lehmboden. Vor ihr liegen allerlei Kräuter in einer Blechschüssel, deren medizinische Wirkung sie den Frauen um sich herum erklärt: da gibt es Kräuter gegen Würmer im Darm, gegen Fieber oder Zahnschmerzen. „Wir pflegen das Wissen über die Pflanzen und ihre Heilwirkungen, damit es nicht verloren geht“, so Mayarani Sardar. Sie gehört einer Frauen-Selbsthilfegruppe im Dorf an, die mit Hilfe des Sundarban Social Development Centre (SSDC), einer Partnerorganisation der Katholischen Frauenbewegung, vor ein paar Jahren entstanden ist. Seither hat sich einiges im Dorf verändert. In verschiedenen Bildungsprogrammen wird den Inderinnen vermittelt, wie sie ihre soziale und gesundheitliche Situation nachhaltig verbessern können. So haben sie beispielsweise gelernt, auf sauberes Wasser zu achten, um nicht an Durchfall zu erkranken. „Weil es kaum Toiletten gibt, verrichten die Leute auf den Flächen rund um den Teich ihre Notdurft“, erzählt Mayarani. „Sobald es regnet, gelangen die Exkremente ins Wasser. Mit dem verschmutzten Nass haben wir dann das Geschirr gewaschen, von dem wir wieder gegessen und uns so infiziert haben. Das war uns nicht bewusst. Nun achten wir darauf und sind dabei, den Bau von Latrinen und Trinkwasserbrunnen voranzutreiben.“
Im Blick
Familienfasttag 2009
Die Katholische Frauenbewegung Österreichs lädt in der vorösterlichen Fastenzeit wieder zum Teilen mit benachteiligten Menschen in den Ländern des Südens ein. Unter dem Motto „Teilen macht stark“ werden Spenden zur Förderung von Frauenprojekten in Asien und Lateinamerika gesammelt. Die Aktion Familienfasttag startet am Aschermittwoch (25. 2.) mit öffentlichen Fastensuppenessen in Tirol und Vorarlberg. Seit 1958 wird traditionell der zweite Freitag in der Fastenzeit als Familienfasttag begangen. Getragen wird die Initiative zur Entwicklungsförderung von tausenden ehrenamtlichen Frauen, die in den Pfarren Fastensuppenessen durchführen.