Frauen aus Papua-Neuguinea haben die Liturgie zum Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen (WGT) 2009 verfasst und laden am 6. März zum gemeinsamen Feiern und Beten ein. Johanna Eisner berichtet.
Das Thema des WGT 09 lautet „In Christus sind wir viele Glieder, aber ein Leib“. Warum wurde dieses Thema gewählt? J. Eisner: Das Bild vom „Leib mit den vielen Gliedern“ ist für die Frauen Papua-Neuguineas nicht nur ein Bild für die Kirchen, für ein Miteinander der Kirchen, sondern sie übertragen es auch auf ihr Land. Es gibt rund sechs Millionen Einwohner und über 800 verschiedene Ethnien, die alle ihre eigenen Sprachen sprechen und ihre eigenen Traditionen leben. Papua-Neuguinea ist erst seit 1975 unabhängig und so sehen es die Frauen auch als ihre Aufgabe an, aus ihrem Glauben heraus zum Aufbau der „einen“ Nation beizutragen.
Was sind die zentralen Texte der Liturgie? J. Eisner: Zum einen ist das der Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom, wo er von dem einen Leib in Christus und seinen Gliedern und dem Auftrag spricht, die eigenen Gaben und Fähigkeiten für die Gemeinde fruchtbar werden zu lassen. Zum anderen haben die Frauen die Bibelstelle von der Errettung des kleine Mose ausgesucht. Das fand ich besonders faszinierend.
Warum? J. Eisner: Weil hier konkret das gemeinsame Handeln von Frauen unterschiedlicher Herkunft dargestellt wird, die zusammenarbeiten, um ein Leben zu retten. Da sehen die Frauen aus Papua-Neuguinea einen Auftrag an sich selber. Bei über 800 verschiedenen Völkern ist ein Zusammenwirken wichtig, um die Grenzen zwischen den Ethnien zu überwinden. Sie nennen auch zwei Beispiele, wie so ein Handeln von Frauen in die Tat umgesetzt wurde. Einerseits durch ihre Versöhnungsinitiative im Bürgerkrieg auf der Insel Bougainville; andererseits durch ihren Einsatz, auf Blutrache zu verzichten.
Was sagt das Bildmotiv auf dem Plakat aus? J. Eisner: Im Bild sind jene zwei Motive dargestellt, die das Leben der Papua-Neuguineanerinnen besonders bestimmen. Das ist das Bilum, das traditionelle Tragenetz, in dem sie alles schleppen – vom Baby über Gemüse bis hin zum Schweinderl. Das zweite Motiv ist das Kreuz, das für sie wesentlich ist, denn etwa 90 Prozent der Menschen auf Papua-Neuguinea bekennen sich zum Christentum. Im Bild drücken die Frauen aus, dass sie voll Vertrauen ihre Lasten zu Christus tragen und sich vom Kreuz her Kraft holen (siehe \"Kopf der Woche\").
Im Blick
Papua-Neuguinea
Die biblischen Texte zum Ökumenischen Weltgebetstag der Frauen haben heuer Frauen aus Papua-Neuguinea ausgewählt. Das Eiland liegt nördlich von Australien in Äquatornähe und ist nach Grönland die zweitgrößte Insel der Erde. Zum Staat Papua-Neuguinea, der seit 1975 unabhängig ist, zählen etwa 600 weitere Inseln. Die 6 Millionen Einwohner leben in großer Spannung zwischen Tradition und Moderne. Es gibt 800 Völker mit ihren eigenen Sprachen und Kulturen. 85 Prozent der Bevölkerung leben am Land, unter einfachsten Bedingungen. In den Großfamilien dominiert das Prinzip der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe (Wantok-System). Das moderne Leben in der Hauptstadt Port Moresby hingegen ist ähnlich dem anderer Großstädte.