Ausgabe: 2009/10, Extremsituationen, 2. Fastensonntag, Abraham, Markus Himmelbauer, Psalm, Geschenk, glauben können, Wort zum Sonntag, Lesung, Evangelium
04.03.2009
Abraham schweigt, Ijob fordert Gott heraus, Jesus beklagt am Kreuz seine Gottverlassenheit. Gott erklärt sich hier nicht. Satte und sichere Antworten helfen nicht. Was bleibt ist nur die Bitte um die Gnade und Stärke, Gottes Wege in allen Lebenslagen treu zu gehen. Das ist kein „Glauben light“, das ist die entscheidende Haltung.
1.Lesung
Gen 22, 1–2. 9a. 10–13. 15–18
Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. [. . .] Als sie an den Ort kamen, den Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf [. . .] Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. [. . .] Der Engel des Herrn rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen. Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.
2. Lesung
Röm 8, 31b–34
Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.
Evangelium
Mk 9, 2–10
Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.
Mein Herz denkt
an dein Wort: Sucht mein Angesicht! Dein Angesicht Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir.
Psalm 27, 8–9
Wort zum Sonntag
Das Geschenk: glauben können
„Sohn“ war wohl das Stichwort, unter dem die Lesungen ausgewählt wurden. Dabei geht es im Abschnitt der „Bindung Isaaks“ nicht um Isaak, sondern um Abraham: Wie stark ist sein Glaube? Die Geschichte lässt viele Fragen offen. Warum will Gott Abraham prüfen? Wusste er nicht schon vorher, dass er gottesfürchtig war? Zur Rettung von Sodom und Gomorra hat Abraham selbstbewusst bis zuletzt verhandelt, beim eigenen Sohn bleibt er ohne Regung? Wusste Abraham, dass Isaak am Leben bleiben werde? Seinen Knechten am Fuß des Berges kündigte er an, beide werden wieder zurückkommen (V. 5). Hat Abraham sie angelogen? Abraham hat seine Vergangenheit verloren – er musste aus seiner Heimat auswandern. Nun soll er auch seine Zukunft verlieren, Isaak, seinen geliebten Sohn. Dabei hat Gott mit ihm einen Bund geschlossen: „Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern.“ (Gen 17, 4) Die Geschichte erinnert an Ijob, wegen einer himmlischen Wette wird Ijob bis auf sein eigenes Leben alles genommen. Glauben in Extremsituationen. Väter und Mütter haben um das Leben ihrer Tochter oder ihres Sohns gebangt. Manches Gebet ist erhört worden, manches nicht. Manche haben im Angesicht des Todes, ja selbst der sinnlosen Vernichtung in Auschwitz, nicht aufgehört, mit Gottes Güte und Nähe zu rechnen. Abraham schweigt, Ijob fordert Gott heraus, Jesus beklagt am Kreuz seine Gottverlassenheit. Gott erklärt sich hier nicht. Satte und sichere Antworten helfen nicht. Für mich bleibt nur die Bitte um die Gnade und Stärke, Gottes Wege in allen Lebenslagen treu zu gehen. Das ist kein „Glauben light“, das ist die entscheidende Haltung. Ob sie mit Mundkommunion, lateinischem Choral und Messen ohne Ministrantinnen besser gelingt, sei dahingestellt.
Zum Weiterdenken
„Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde.“ Juden, Christen und Muslime bezeichnen sich als Nachfahren Abrahams. Wie kann unsere Beziehung zueinander aussehen: untereinander als Söhne und Töchter Abrahams, miteinander als Segen für die Welt?
Markus Himmelbauer ist Geschäftsführer des österreichischen Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.