Als hätten U2 die Weltwirtschaftskrise vorausgeahnt, haben sie ihr neues Album „No Line On The Horizon” benannt. Der Titeltrack wirft gleich zu Beginn düstere Schatten voraus und ist mit seinem druckvollen Sound und Bonos trotzigem Gesang der fulminanteste Opener seit „Achtung Baby“. Danach geht es zwar etwas hoffnungsvoller zu, wenngleich auch nicht immer auf so hohem Niveau, was Stücke wie „Magnificent“ oder „Get On Your Boots“ beweisen. Mit dem beschaulichen „Moment Of Surrender“, das durch seinen elektronischen Sound besticht, wird dann ein weiteres Glanzlicht gesetzt. Es folgen „Unknown Caller“ und „I‘ll Go Crazy, If I Don‘t Go Crazy Tonight“, zwei Lieder, in denen The Edge seinen großen Auftritt hat und der Joshua-Tree-Phase Tribut gezollt wird. Durch das düster und orientalisch angehauchte „Fez: Being Born“ wähnt man sich bei einer U2-Jam-Session mitten in Marokko. Zum finalen Akt bei „Cedars Of Lebanon“ breitet sich durch Bonos narrativen Sprechgesang wieder ein Mantel der Düsternis aus. Dank eines Wechselspiels aus Synthieklangteppichen, flirrenden Gitarrensongs und druckvollen Rockern, denen vor allem durch die Rhythmussection von Schlagwerk und Bass zu wahrer Größe verholfen wird, schaffen U2 wohl eines der abwechslungsreichsten und spannendsten Arbeiten, die sie je vorgelegt haben.
- U2 – No Line On The Horizon (erschienen bei Island).