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Nun geh und lerne

3. Fastensonntag (Lesejahr B), 15. März 2009
Ausgabe: 2009/11, Sonntag, 3. Fastensonntag, Himmelbauer, Markus Himmelbauer, Wort zum Sonntag, Kurzfassung, Zehn Gebote, Judentum, Christentum, Tora, Korinther, Johannes, Psalm, Evangelium, Lesung
11.03.2009
Die Zehn Gebote gelten Judentum wie Christentum als Inbegriff der Weisung (Tora) für das Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen. Fast jede/r musste sie einmal (auswendig) lernen. Wie aber danach leben, Tag für Tag? Gottes Gebote lernen meint mehr als sie einfach hersagen zu können.


1. Lesung


Ex 20, 1–17

Dann sprach Gott alle diese Worte: Ich bin Gott, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.
Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinem Stadtbereich Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.
Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott dir gibt.
Du sollst nicht morden.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgend etwas, was deinem Nächsten gehört.


2. Lesung


1 Kor 1, 22–25

Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.


Evangelium


Joh 2, 13–25

Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich an das Wort aus der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist.



Süßer als Honig aus Waben . . .


Die Weisung des Herrn ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Gesetz des Herrn ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise.
Die Befehle des Herrn sind richtig,
sie erfreuen das Herz;
Das Gebot des Herrn ist lauter,
es erleuchtet die Augen.
Die Furcht des Herrn ist rein,
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahr,
gerecht sind sie alle.
Sie sind kostbarer als Gold,
als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig,
als Honig aus Waben.

Psalm 19, 8–11



Wort zum Sonntag


Kurzfassung

Als Herz des Gesetzes gelten sie, als Zusammenfassung der Tora: die Zehn Gebote – eigentlich das „Zehnwort“ (Dtn 4, 13; griech. „Dekalog“). Die kirchliche Leseordnung sieht zusätzlich eine Kurzfassung (Ex 20, 1–3; 7–8. 12–17) dieses Abschnitts vor, der Kern des Kerns sozusagen. Im Jahr 2001 meinte die Päpstliche Bibelkommission, Christinnen und Christen könnten „viel von der jüdischen Exegese lernen“.
Was sagt diese zu den Zehn Geboten?
Jüdische Schriftauslegung lehnt es zunächst ab, die wichtigsten Gebote zu suchen. Wieso sollte des Nächsten Esel wichtiger sein als das Verbot, den Fremden auszubeuten? Nach den hebräischen Buchstaben hat das Wort Tora den Zahlenwert 611. Es gibt aber 613 Gebote! Die Antwort der Rabbiner: In den ersten beiden Geboten sagt der Allmächtige selbst „Ich bin“. Dies seien eigentlich keine Gebote, denn Glauben lässt sich nicht vorschreiben. Dennoch wird auch im Judentum diskutiert, was der Kern der Tora sei. Etwa das Gebot, die Eltern zu respektieren: Es betrifft jeden, denn jeder hat Eltern. Einen besonderen Wert haben die Sorge um den Mitmenschen und die Ansiedlung im Land Israel. Der Dekalog gibt die Grundlagen von Religion und Moral, aber verkörpert nicht die Gesamtheit der Menschheitspflichten.
Die von Gott aufgetragenen Pflichten für jeden Menschen sieht das Judentum in den sieben „noachidischen Geboten“. Es sind dies die Verbote von Mord, Diebstahl, Götzenanbetung, Unzucht, das Verbot der Brutalität gegen Tiere, das Verbot von Gotteslästerung und die Pflicht zur Einführung von Gerichten zur Wahrung des Rechtsprinzips.

Zum Weiterdenken

Einst trat ein Nichtjude zu Hillel und sprach zu ihm: „Ich will Jude werden unter der Bedingung, dass du mich die ganze Tora lehrst, während ich auf einem Fuße stehe.“ Hillel sprach zu ihm: „Was dir verhasst ist, das tu deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora. Alles Andere ist nur die Erläuterung, geh und lerne sie!“ Geh und lerne: Gebote befolgen ist mehr als nur eine edle Haltung. Wo lerne ich, recht zu handeln? Wie lerne ich, mir, dem Anderen und Gott darüber Rechenschaft abzulegen?


Markus Himmelbauer ist Organist in Schwanenstadt.

Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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