Wer seinen Partner annehmen möchte, muss ihn zuerst wirklich kennenlernen
Ausgabe: 2009/11, Paare, Marriage Encounter, Beziehung, Ingrid Steininger, Walter Steininger, Begegnung in der Ehe, Ehe, Begegnung, Therapie, Seminar
11.03.2009
- Judith Moser-Hofstadler
Was ein Wochenende mit Marriage Encounter (ME) in ihrer Beziehung bewegt hat, erzählen Ingrid und Walter Steininger.
Vor acht Jahren haben Ingrid und Walter Steininger ein ME-Wochenende besucht. Freunde haben sie immer wieder eingeladen, bis sie neugierig geworden sind. Ihre drei Buben waren noch klein, und so freuten sie sich auf ein Wochenende zu zweit – das war das Mindeste, was sich das Paar erwartet hatte. „Wir haben uns daheim ausgemacht, was wir dort verraten und was wir nicht ausreden werden“, erinnert sich Walter. „Und dann waren wir überrascht, dass wir gar nichts gefragt worden sind.“
Tief hineinschauen. „Es ist uns auch vorher gut gegangen, aber nach dem Wochenende hab ich wirklich das Gefühl gehabt: Jetzt haben wir noch einmal geheiratet“, erzählt Ingrid. Irgendwie hatte sich doch ein Trott eingeschlichen nach elf Jahren Ehe. „Seither versuchen wir, dass wir uns tief hineinschauen lassen, deshalb sind wir wieder interessant füreinander“, so Walter. Und wenn man beobachtet, wie die beiden miteinander umgehen, glaubt man das sofort. „Es ist alles neu geworden“, meint Ingrid: „intensiver, tiefer, schöner.“
Das Miteinander stärkt. Sie können konkrete Beispiele dafür nennen: „Dass wir einander besser zuhören und uns für die Gefühle des anderen interessieren.“ Oder: „Dass wir nicht mehr recht haben wollen. Das ist eine starke Verbundenheit, dass es nicht um Macht, sondern um das Miteinander geht.“ – „Ich hab gespürt, dass Ingrid mich auch annimmt, wenn ich nicht so leicht genießbar bin.“ – „Die Anspannung, dass ich ja nichts falschmache, ist weg. Dass ich so sein soll, nicht nur darf, wie ich bin, weil mein Mann mich kennenlernen will.“
Gleichgesinnte. Ingrid und Walter haben weitere Angebote von ME besucht. „Sonst versandet das schnell im Alltag“, sagt Ingrid. Sie wollten sich mit Gleichgesinnten austauschen und haben so den Weg in die ME-Gemeinschaft gefunden. Die „Gleichgesinnten“ sind auch Priester und Ordensleute.
Liebendere Welt. „Der Grundgedanke von ME geht weit über die Beziehung hinaus“, erklärt Walter. „Er ist: Wenn es uns in der Beziehung gut geht, können wir das hinaustragen, und dann entsteht eine liebendere Welt.“ Es geht um die „Kirche im Kleinen“. „Wenn es den Eltern gut geht, geht es den Kindern gut, und das kann Kreise ziehen“, verdeutlicht er. Ausgangspunkt ist das Johannes-Evangelium: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Und das gilt nicht nur für Paare. Darin sehen Ingrid und Walter eine Bereicherung: Geistlich Berufene bekommen einen Eindruck vom „Leben und Ringen“ von Paaren und umgekehrt. So soll die Liebesfähigkeit wachsen.
Zur Sache
Paare, die Kreise ziehen
Marriage Encounter (ME) – deutsch etwa: „Begegnung in der Ehe“ – ist eine weltweit tätige Bewegung in der katholischen Kirche. Sie bietet Wochenenden für Paare an – auch für nicht-katholische.
Austausch im Paar. Drei Paare und ein Priester gestalten die Wochenenden. Eingeladen sind Paare und geistlich Berufene.Im Seminar werden 13 Themen angesprochen. Von „Gefühle“ und wie man sie mitteilt, über „Begegnung mit mir selbst“ bis „Vertrauen“. Nach jeder Einführung ist Zeit für Reflexion für sich und als Paar. Es gibt keinen Austausch mit anderen Paaren oder in der großen Gruppe. Zum Abschluss besteht die Möglichkeit, Gottesdienst mit zu feiern. Es werden weitere Treffen angeboten und Wochenenden zu speziellen Themen. Paare und Priester, die ein ME-Wochende durchführen, erzählen wenig Theorie. Es geht mehr darum, was sie selbst erleben. Das soll Anstoß sein, über eigene Gefühle zu sprechen.
Menschlich. „Für Paare, die eine Therapie bräuchten, ist das eher nichts“, erklärt Walter Steininger. Die Voraussetzung ist, dass das Paar miteinander reden kann. Doch manchmal erleben die Teilnehmer fast Wunder, wenn Paare nach zwei Tagen herzlich miteinander umgehen, die das vorher nicht gekonnt haben. Viele sagen, dass sie die Kirche von einer neuen, menschlicheren Seite kennengelernt haben.
Kraft schöpfen. „Ein ME-Wochenende ist ideal für Paare, die ihre Beziehung intensiver leben und Kraft daraus schöpfen wollen“, meint Walter. „Die ihrer Beziehung ein Geschenk machen wollen“, sagt Ingrid Steininger.
- Kontakt: Ingrid und Walter Steininger, Scharnsteinerstraße 24, 4810 Gmunden, Tel. 0680/300 36 67. www.marriage-encounter.at