Unter den unzähligen Bergmessen, die im Land gefeiert werden, ist der Gottesdienst am Traunstein besonders bekannt.
Die Messbesucher/innen müssen einen beschwerlichen Aufstieg in Kauf nehmen, um beim Gottesdienst am Fuße des zwölf Meter hohen Gipfelkreuzes dabei sein zu können. Seit dem Jahr 1950 wird am Traunstein jährlich für die Opfer beider Weltkriege und die Opfer der Berge gebetet. Die heurige Traunstein-Messe zelebriert Diözesanbischof Ludwig Schwarz: am 6. September 2009 um 10.30 Uhr (nur bei Schönwetter).
Gottes Schöpfung. Der ökumenische Rat der Kirchen ruft auf, am 1. September den Schöpfungstag zu begehen und Verantwortung der Kirchen für die Schöpfung zu bedenken.
Noch zu wenig ansteckend
Der Ökumenische Rat der Kirchen lädt am 1. September zum Schöpfungstag ein
„Der Schöpfungstag am 1. September und die nachfolgende Schöpfungszeit sollen in den Kirchen Österreichs ein Bewusstsein schaffen, dass es hier um eines der drängendsten Zukunftsthemen unserer Zeit geht“, sagt der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen Herwig Sturm.
„Wenn es um Schöpfungsverantwortung, Nachhaltigkeit oder einen einfacheren Lebensstil geht, da scheinen viele von uns den Ernst der Lage noch nicht ganz begriffen zu haben“, meint Herwig Sturm. Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates (ÖRK) meint das durchaus selbstkritisch auch auf die Kirchen Österreichs bezogen. Im vergangenen Jahr hat der ÖRK beschlossen, alle Mitgliedskirchen zur Feier des Schöpfungstages (1. September) und der nachfolgenden Schöpfungszeit (bis 4. Oktober) aufzurufen. Man folgte damit einer Empfehlung der Europäischen Ökumenischen Versammlung von Sibiu (2007). „Wir wollen damit einen Anstoß geben, dass die Kirchen zumindest auf ihrem ureigenen Terrain, beim Gottesdienst, in der Bitte um Segen, im Hören auf das Wort Gottes sichtbar machen, dass sie dieses Thema bewegt“, sagt Herwig Sturm. „Wir haben viele Briefe geschrieben und Plakate verschickt und hoffen nun, dass sich Kirchen und Kirchengemeinden verstärkt für die Anliegen Schöpfung und Nachhaltigkeit engagieren.“
Gemeinsames Zeugnis. Sturm bedauert, dass es mit Ausnahme der katholischen und evangelischen Kirche in den Mitgliedskirchen des ÖRK keine Umweltbeauftragten gibt und diese Kirchen auch bei verschiedenen Studientagen zur Schöpfungsverantwortung nicht offiziell vertreten sind. Er verstehe schon, dass die kleineren Kirchen wenig Ressourcen und oft andere Sorgen haben, aber bei diesem entscheidenden Zukunftsthema müssten die Kirchen ein gemeinsames, nach innen und nach außen hin sichtbares Zeugnis ablegen. Sturm vermerkt aber auch im Blick auf die beiden großen Kirchen selbstkritisch, dass in „vielen unserer Gemeinden, aber auch in höheren Etagen, das Thema Schöpfungsverantwortung und Nachhaltigkeit zu wenig glaubwürdig vertreten wird.“
Noch nicht angekommen. Sturm freut sich zwar über eine ganze Reihe engagierter Gruppen und Gemeinden, wie etwa die Franziskusbruderschaft im Burgenland, „die in ihrem Lebensstil zeichenhaft sind“. Auch viele kirchliche Bildungshäuser seien im Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit wirklich engagiert und setzen da einiges beispielhaft um. „Aber in vielen Pfarrgemeinden und Ämtern ist dieses Anliegen noch nicht wirklich angekommen.“ Sturm erzählt von einem Versuch in der evangelischen Kirche, eine Energiebilanz aller Pfarren zu erstellen, um daraus ein Projekt zu entwickeln, wie man mit welchen Maßnahmen den Energieverbrauch senken könnte. „Aber allein, damit wir eine Auflistung des gegenwärtigen Verbrauchs aus den Pfarren bekommen haben, war schon ein mühevolles Nachrennen und Betteln“, sagt der ehemalige evangelische Bischof.
Vorbilder fehlen. Über Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften und Leben werde heute viel geredet. Und der Klimawandel macht den Leuten auch irgendwie Sorge. Aber wirkliche Verhaltensänderungen, auch von Einzelnen, gebe es nur wenige. Die äußeren Umstände zwingen die Menschen noch(!) nicht dazu. „Die Einsicht, es trotzdem zu tun, aber bräuchte Vorbilder, konkrete Beispiele, dass es auch anders gut geht. In den Kirchengemeinden könnten solche Funken entstehen und überspringen, aber diese Vorbilder, diese ansteckenden Zeugnisse haben wir bisher kaum entwickelt“, meint Sturm.
Hans Baumgartner
Zur Sache
Verantwortung in der Schöpfung
Im Sozialwort der Kirchen Österreichs heißt es:„Die Erfahrung mit Reichtum und Schönheit der Natur, aber auch mit den Folgen der Ausbeutung und Zerstörung lässt uns Menschen die Verantwortung für die Schöpfung bewusst werden. (285) Eine Gesellschaft, in der Armut und Unrecht herrschen, eine Wirtschaftsweise, die die Ressourcen der Erde für sich verbraucht und keine Rücksicht auf künftige Generationen nimmt, sind zutiefst ungerecht. Diese Erfahrungen müssen einen vielschichtigen Umdenkprozess auslösen: in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, und in den Kirchen. (286) Nachhaltigkeit bedeutet Einsatz für gerechte Lebensbedingungen und einen schonenden Umgang mit der Natur auf Zukunft. Wenn Nachhaltigkeit als durchgängiges Prinzip zur Anwendung kommen soll, müssen neue Konzepte des Wirtschaftens entwickelt werden. (289) Auch durch persönliche Konsumentscheidungen und Lebensstile gestalten wir täglich die Welt mit. (296)
Aufgaben der Kirchen. Die Kirchen wollen eine Spiritualität der Schöpfung pflegen und sie in Gebeten und Liturgie verankern. (298) Die Kirchen stellen bezahlte Arbeitszeit für Umweltarbeit zur Verfügung. Durch Veröffentlichung von Energiebilanzen wollen sie sich und der Gesellschaft Rechenschaft ablegen. (300) Kirchliche Gemeinden, Gemeinschaften und Betriebe achten auf Nachhaltigkeit in ihrer Einkaufspolitik und in der Energienutzung. (301) Die Kirchen treten dafür ein, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit in Handlungsstrategien und Entscheidungsprozessen von nationalen Regierungen und internationalen Organisationen verankert wird. (304)