Ausgabe: 2009/35, Kirchenzahlen, Arbeit, Judith Moser-Hofstadler, Kommentare, Wert der Arbeit, Volkskirche, Kirchenchor, Essen auf Rädern, Erwerbsarbeit, Kirchenstatistik
26.08.2009
Kirchenzahlen stellen Fragen
Das berühmte Glas – ist es nun halb voll oder doch eher halb leer? Diese Frage könnte man sich auch angesichts der jüngsten Kirchenstatistik für Österreich stellen. Nein, einen Grund zur Freude bieten die in fast allen Bereichen, außer bei den Kirchenaustritten, rückläufigen Zahlen nicht. Sie sind aber auch kein Grund, sich von der Idee einer „Volkskirche“ zu verabschieden, wie das heute auch in höchsten Kreisen zu hören ist. Wir müssen uns allerdings radikal und ehrlich fragen, welchen Geist und welche – vor allem personelle – Ausstattung braucht eine Kirche, die mit den Menschen ernsthaft unterwegs sein will.
Hans Baumgartner
Wie viel ist welche Arbeit wert?
„Zu Hause sein“ statt „Arbeiten zu gehen“, das klingt ja wirklich sehr bequem. Der gefüllte Kühlschrank, die Wäsche im Kasten, geputzte Fenster und Klos werden selten mit einem „Ist das schön“ bewundert. Dass Eltern sich um Kinder kümmern, ist der Umgebung erst bewusst, wenn die Kinder negativ auffallen. „Mit einem Grundeinkommen würde ja keiner mehr arbeiten“, heißt es oft. Wie viel Geld kosten einer Gesellschaft die vielen psychisch kranken Menschen, die mit ihrer Erwerbsarbeit zu wenig zum Leben verdienen oder die den ganzen Tag einen Haushalt versorgen ohne die geringste Anerkennung? Vor allem am Land geschieht vieles ehrenamtlich: Feuerwehreinsätze, „Essen auf Rädern“, Kirchenchor und Blasmusik. Wie gut tut es dem alten, alleinstehenden Nachbarn, wenn jemand Zeit für einen Tratsch hat! Auch das muss der ganzen Gesellschaft etwas wert sein, wenn sie es haben will.