22. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 30. August 2009
Ausgabe: 2009/35, Sonntag, Liebeserklärung, Judit Nötstaller, Psalm 119, Wort zum Sonntag, 22. Sonntag im Jahreskreis, Lobeshymne, Evangelium, Lesung,
26.08.2009
Groß und wunderbar ist die Natur, staunenswert die Schöpfung, für viele ein vertrauter Gedanke. Aber eine Lobeshymne auf das Weisung Gottes und seine Gesetze singen? Das scheint manchem schwer vorstellbar, zu bekannt klingt die Kritik Jesu an den hartherzigen Geboteeinhaltern. Dabei kommt es aber auf jede und jeden Einzelnen an: wie ich als Mensch vor Gott stehe, zu Gottes Wort als Maß und Richtschnur meines Lebens.
Evangelium
Mk 7, 1–8. 14–15. 21–23
Die Pharisäer und einige Schriftgelehrte, die aus Jerusalem gekommen waren, hielten sich bei Jesus auf. Sie sahen, dass einige seiner Jünger ihr Brot mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen aßen. Die Pharisäer essen nämlich wie alle Juden nur, wenn sie vorher mit einer Hand voll Wasser die Hände gewaschen haben, wie es die Überlieferung der Alten vorschreibt. Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich vorher zu waschen. Noch viele andere überlieferte Vorschriften halten sie ein, wie das Abspülen von Bechern, Krügen und Kesseln. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten fragten ihn also: Warum halten sich deine Jünger nicht an die Überlieferung der Alten, sondern essen ihr Brot mit unreinen Händen? Er antwortete ihnen: Der Prophet Jesaja hatte recht mit dem, was er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich mit Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen. Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. [. . .] Dann rief er die Leute wieder zu sich und sagte: Hört mir alle zu und begreift, was ich sage: Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. [. . .] Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.
1. Lesung
Deut 4, 1–2. 6–8
Und nun, Israel, höre die Gesetze und Rechtsvorschriften, die ich euch zu halten lehre. Hört, und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der Herr, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen. Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt auf die Gebote des Herrn, eures Gottes, achten, auf die ich euch verpflichte. [. . .] Ihr sollt auf sie achten und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennen lernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk. Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie Gott, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen? Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsvorschriften, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?
2. Lesung
Jak 1, 17–18. 21b–22. 27
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien. [. . .] Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. [. . .] Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind‚ und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.
ich berge in meinem herzen
ich berge in meinem herzen dein wort, von ganzem herzen suche ich dich, lass mich nicht weichen von deinen geboten. ich berge in meinem herzen dein wort, auf dass ich nicht sündige wider dich. sei gepriesen, gott, lehre mich deine weisungen. am weg, den du weisest, habe ich freude, mehr, als hätt ich die fülle des reichtums.
aus psalm 119. Foto: photocase.com/mr. nico
Wort zum Sonntag
Das Herz als Mitte der Gebote
Als Kind habe ich noch erlebt, wie Frauen und Männer in der Kirche getrennt saßen; undenkbar, dass sich jemand auf die „falsche“ Seite gewagt hätte. Manchmal heftig umstrittene Fragestellungen („Dürfen Frauen die Kommunion austeilen?“) sind irgendwann überholt, denn menschliche Satzungen sind gebunden an zeitbedingte Vorstellungen. Diese Beschränktheit menschlichen Denkens versucht Jesus (s. Ev.) aufzubrechen. Mit schroffen Worten, die an die Kultkritik der Propheten erinnern, sagt er: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir!“ Es ist eine Tatsache, dass Lippenbekenntnisse einfacher sind als konkrete Taten, als nach dem Wort und Beispiel Jesu ein Stück – vielleicht das Ganze – des eigenen Lebens einzusetzen. Wer blind den Satzungen der Menschen folgt, läuft auch Gefahr, nicht mit dem Herzen dabei zu sein. Jesus geht es um die unbändige Menschenliebe Gottes, die in die Freiheit ruft, jenseits der „Überlieferung der Alten“. Denn es gilt: Was den Menschen unrein macht, kommt nicht von außen, sondern aus dem Herzen. Dort – im Innersten – entscheidet sich, wie wir als Menschen zu und vor Gott stehen, zu seinem Wort als Maß, Richtschnur und Gebot unseres Lebens. Und um dieses Wortes willen, das allen Menschen Leben ermöglichen will, müssen Christen sich die Hände schmutzig machen. Wer aber die Religion missbraucht, soziale und moralische Schranken und Barrieren zwischen Gott und Menschen errichtet, ist von Jesu Kritik betroffen. Das Gebot Gottes gewinnt neue Tiefe, wenn es immer wieder auf seine Mitte hin gelesen und gelebt wird. Was entspricht dem Willen Gottes? Jede und jeder ist herausgefordert, im eigenen Leben, hier und heute, eine freie, liebende Antwort auf Gottes Liebe zu geben.
Zum Weiterdenken
Im Herzen, im Innersten ist der Ursprung unseres Denkens und Handelns. Jesus lädt ein, in Freiheit immer wieder nach Gottes Willen zu fragen. Wer in die Schule Jesu geht, lernt von ihm innere Freiheit.
Sr. M. Judit Nötstaller (SSND), Leiterin der Caritas-Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Behinderung, Caritas- Regionalverantwortliche, Exerzitien- und Geistliche Begleiterin.