Ausgabe: 2009/41, Alba Julia, Rumänien, Diözesanbischof, Schwarz, Caritas, Parnterschaft
07.10.2009
- Matthäus Fellinger
Mit einer Caritas-Delegation nahm auch Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz an der 1000-Jahr-Feier der rumänischen Diözese Alba Iulia teil. Die Wirtschaftskrise trifft das ohnehin arme Land doppelt. Die Caritas ist für viele zum rettenden Anker geworden.
4 Lei – rund 90 Cent – kostet ein Liter Milch in rumänischen Geschäften. Für den Durchschnittspensionisten, der im Monat rund 130 Euro bekommt, ebenso wie für den Arbeiter, der es auf umgerechnet 450 Euro bringt. Für die Bewohner in den Roma-Siedlungen mit den vielen Kindern natürlich auch. Wie der Großteil der 22,3 Millionen Rumänen bei Lebensmittelpreisen, die den österreichischen nahe sind, mit einem Bruchteil des Einkommens über die Runden kommen kann, bleibt dem westlichen Besucher ein Rätsel.
1000 Jahre Alba Iulia. Trotz der auch 20 Jahre nach der Wende drückenden Armut wissen die Rumänen zu feiern. Am 29. September zum Beispiel. Da füllten 12.000 Menschen die katholische Kathedrale von Alba Iulia und den weiten Platz davor. Das Festjahr zum 1000-jährigen Bestehen von Alba Iulia erreichte seinen Höhepunkt und Abschluss. Auf Rumänisch und Ungarisch, Lateinisch und Deutsch waren Lesungen und Gebete im Festgottesdienst zu hören. Das Siebenbürgengebiet, das im Wesentlichen mit der Erzdiözese Alba Iulia ident ist, ist von verschiedenen Kulturen und Konfessionen geprägt. Nach der überwiegenden Mehrheit der Orthodoxen sind die Katholiken die zweitstärkste Konfession in Siebenbürgen. Knapp 400.000 Katholiken leben hier – bei einer Gesamteinwohnerzahl von 4 Millionen. Es handelt sich vor allem um die ungarisch sprachige Minderheit im Westen Rumäniens. In Gesamtrumänien macht der Anteil der Katholiken nur 5,6 Prozent aus. Die Caritas der katholischen Kirche ist in den rumänischen Diözesen so etwas wie der rettende Strohhalm für die Armen geworden. Es ist die größte nichtstaatliche Hilfsorganisation im Land. Zwar fehlt es auch der Caritas oft an materiellen Mitteln. Aber, so sagt der Caritasdirektor von Alba Iulia, Márton András: „Es hängt weniger von den materiellen Bedingungen ab als von den Menschen.“ Und das ist die Stärke der Caritas: dass sie mit ihren ausgebildeten Mitarbeiterinnen tatsächlich in die Häuser der Armen geht. Besucht man einen Caritas-Stützpunkt, etwa in Targu Mures, so erlebt man, dass Caritas nicht nur auf dem Papier existiert. Da trifft sich eine Selbsthilfegruppe krebskranker Frauen. Sie besteht schon seit Jahren – und immer wieder finden hier neu Dazugekommene Hilfe und Stärkung. In einem anderen Haus bekommen Kleinkinder Förderung. Die Stärkung der Familien ist ein wichtiger Caritas-Schwerpunkt. In Rumänien ist das Leben mit Kindern nicht einfach. Die Geburtenrate liegt ähnlich niedrig wie in Österreich.
Dorfhelfer in verarmten Siedlungen. Da gibt es oft Dörfer, für die es an der Hauptstraße nicht einmal ein Hinweisschild gibt. Alte Menschen leben in den Einöden, und es gibt keine Geschäfte. Aus dem Siebenbürger-Gebiet sind viele Menschen, vor allem die deutschstämmigen, weggezogen. Die Alten blieben zurück. Die ausgebildete Schicht droht dem Land verloren zu gehen. Ärzte etwa oder Fachkräfte wanderten aus. Die Caritas hat begonnen, in solchen Dörfern Dorfhelfer einzusetzen, die das Vertrauen der Menschen besitzen. Diese kümmern sich um die Leute, die niemanden haben. Die zuständigen Gemeinden unterstützen solche Einsätze. Doch jetzt, in der Wirtschaftskrise, fehlt den Gemeinden das Geld. Sie bleiben es der Caritas schuldig.Die Rumänen haben im Lauf der Geschichte viele Krisen erlebt. Die Zeit zwischen 1542 und 1712 etwa, als kein katholischer Bischof hier wirken dufte und als es kaum Priester gab. Die Laien haben die Kirche damals über ein Jahrhundert lang lebendig gehalten.
Zum Thema
Eine gefestigte Partnerschaft
Unmittelbar nach der politischen Wende von 1989/1990 haben die katholischen Diözesen Österreichs ihre Aufbauhilfe für die ehemals kommunistischen Länder und Diözesen aufgenommen. „Patenschaften“ wurden begonnen. Vor allem die Caritas arbeitet eng zusammen. In Rumänien ist inzwischen die dortige Caritas zu einem wirksamen Stützpfeiler gegen die Not herangereift. Um die Diözese Alba Iulia hat sich nach der Wende die Diözese Linz angenommen. Die Diözese Feldkirch unterstützt die an der moldawischen Grenze gelegene Diözese Lasi. Innsbruck ist im westrumänischen Satu Mare engagiert. Am 1000-Jahr-Jubiläum nahm der Linzer Bischof Ludwig Schwarz mit einer Caritas-Delegation teil. Mit dem Bischof konnten sich die oberösterreichischen Caritas-Vertreter von der Wirksamkeit der Aufbauarbeit überzeugen. Bereits 261 mobile Pflegehelfer/innen sind in der Diözese Alba Iulia im Einsatz – denn 98 Prozent der Pflegebedürftigen haben keinen Zugang zu staatlichen Pflegeeinrichtungen. Insgesamt hat die Caritas von Alba Iulia bereits einen Mitarbeiter/innen-Stand von rund 550 Personen. Dabei geht die Caritas auch neue Wege. So werden die früheren Caritas-Läden, in denen Altkleidung aus dem Westen in den rumänischen Stadten verkauft wurde, umfunktioniert. Mit „mobilen Geschäften“ werden die Dörfer am Land angefahren, in denen die Not am größten ist. Die Ärmsten haben oft nicht die Möglichkeit, sich in größeren Orten zu versorgen.