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Salz aus Afrika

Zum „Sonntag der Weltkirche“
Ausgabe: 2009/42, Salz, Afrika, Sonntag der Weltkirche, Erdnüsse, Erwing Kräutler, Aids, Aids-Waisen, Xingu, Kräutler, Priestermangel, Ehrendoktor, Uni Salzburg, Mosambik, Südafrika, Orden vom Kostbaren Blut, Senegal, Keur Moussa, Dakar, Kora, Missio, Kaolack, Ben
14.10.2009
Erdnüsse und Salz. Das sind die wichtigsten Produkte, die im Hafen von Kaolack im Senegal für den Weltmarkt verschifft werden. Der „Sonntag der Weltmission“ rückt diesen westafrikanischen Staat in den Blickpunkt.

„Salz“. Das ist auch der Rohstoff, über den die afrikanischen Bischöfe mit Papst Benedikt XVI. in Rom beraten. Dort findet bis 25. Oktober die zweite Bischofssynode für Afrika statt. „Ihr seid das Salz der Erde – ihr seid das Licht der Welt“, lautet ihr Thema. Wie Kirche die Welt mit ihrer Frohbotschaft durchdringen kann, darüber bringt die KirchenZeitung mehrere Beiträge. Bischof Erwin Kräutler erzählt über die Not der Kirche am Amazonas, wo Christen nur zwei Mal im Jahr die Eucharistie erleben können. Und dann berichtet Sr. Silke Mallmann von ihrer Arbeit im südlichen Afrika. Sie arbeitet mit den Menschen in Regionen, die von Aids besonders betroffen sind. Im Oktober schreibt sie auch das „Wort zum Sonntag“ in der KirchenZeitung.



Eine lebendige Kirche braucht ihre „Mitte“


Dom Erwin Kräutler: Mit dem Volk Gottes am Xingú unterwegs


„In den vergangenen 30 Jahren haben sich nicht nur der Urwald und das Leben am Xingú stark verändert, sondern auch die Art, wie wir Kirche sind. Wir sind zum ,Volk Gottes’ geworden“, sagt Bischof Erwin Kräutler, neuer Ehrendoktor der Uni Salzburg.

Wenn man von Dom Erwin Kräutler hört, dann geht es meist um den „Anwalt“ der Armen und an den Rand Gedrängten oder um den Schutz des schon in weiten Gebieten des Amazonas zerstörten Urwalds. Dafür wurde er 1983 von der Militärpolizei zusammengeschlagen, deswegen wurde 1987 ein Anschlag auf ihn verübt, den er schwer verletzt überlebt hat, deswegen steht er wegen wiederholter Morddrohungen seit 2006 unter ständigem Polizeischutz.

Zeugnis der Liebe. Es sind aber nicht in erster Linie soziale oder ökologische Motive, die Kräutler antreiben so zu handeln, erzählte er kürzlich bei einem Seminar in Salzburg. Schon für sein Primizbild habe er ein Wort aus dem ersten Johannesbrief ausgewählt: „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben hingab für uns.“ Priestersein und Bischofsein – das bedeutet für ihn, Zeugnis für die Liebe Gottes abzulegen, „indem ich den Menschen nahe bin, indem ich mit ihnen gehe in ihren Freuden und Nöten, besonders in ihren Bedrängnissen. Als Bischof habe ich da mehr Möglichkeiten und wohl auch mehr Schutz als die einfachen Leute und deshalb auch mehr Verantwortung.“ Als er Papst Johannes Paul II. von seinem, auch in der Kirche, Anstoß erregenden Tun erzählte, habe dieser gesagt: „Gehen Sie Ihren Weg weiter, wer soll sonst bei den Armen sein und für die Entrechteten eintreten.“ Kräutler sieht sich auf diesem Weg aber nicht als Einzelkämpfer, sondern als einer, „der mit dem Volk Gottes am Xingú unterwegs ist“. Gerade in den letzten Jahren der Bedrohung erlebe er dieses Miteinander in berührender Weise.

Volk Gottes. „Seit den 70er Jahren hat sich die Art und Weise, wie wir am Xingú Kirche leben, stark verändert. Damals haben wir begonnen, unsere riesigen Pfarreien, zu denen 30 bis 80 Gemeinden gehören, umzubauen. Seither sind rund 800 kirchliche Basisgemeinden entstanden, die wesentlich von Laien getragen und geleitet werden.“ Er selber und seine 30 Priester seien einen Großteil des Jahres unterwegs, um diese Gemeinden zu begleiten. Dadurch sei am Xingú wirklich so etwas wie ein „Volk Gottes“ entstanden, „wo wir im Sinne des II. Vatikanums gemeinsam die Sendung der Kirche zu leben versuchen.“

Ohne Altar. Als besondere Not sieht Kräutler den Priestermangel. „Wenn in den Gemeinden nur mehr zwei bis drei Mal im Jahr Eucharistie gefeiert wird, dann ist das fast so etwas wie eine Exkommunikation unserer Leute. Wir schließen sie aus von dem, was eigentlich der innerste Kern und Höhepunkt unseres kirchlichen Zusammenseins ausmacht, der Vergegenwärtigung Christi im Sakrament der Eucharistie.“ Dadurch, so Kräutler, gehe bei den Menschen zunehmend etwas von „unserem tiefsten Kirchenverständnis“ verloren. Es mache ihn betroffen, wenn er in manchen Kirchen keinen Altar mehr sehe. „Wir müssen in der Weltkirche dringend darüber reden, wie wir dem klaren Auftrag Christi gerecht werden: ,Tut das zu meinem Gedächtnis.‘ Ich habe das vor einigen Jahren auch mit Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst, besprochen.“ Kräutler ist überzeugt, dass diese und andere anstehende Fragen nur durch ein neues Konzil gelöst werden könnten. „Und ich hoffe immer noch, dass es dazu bald kommt, damit wirklich in allen Gemeinden im vollen Sinne wahr wird, was die Leute bei uns auf den Gruß des Priesters ,der Herr sei mit euch‘ sagen: ,Er ist in unserer Mitte‘.“



Zur Sache


Die kirchlichen Basisgemeinden

Die Diözese Xingú ist viereinhalbmal so groß wie Österreich. Für die 15 Pfarreien stehen 30 Priester zur Verfügung. Das eigentliche „Pfarrleben“ spielt sich in den 800 kirchlichen Basisgemeinden ab, die von Laien (2/3 Frauen) geleitet werden. „In ihnen ist die Kirche vor Ort präsent und durch sie ist die Kirche am Xingú zu einem lebendigen Volk Gottes geworden“, sagt Bischof Kräutler. Ganz stark erlebe er das immer bei den alle fünf Jahre stattfindenden Pastoralkonferenzen, wo aus allen Basisgemeinden Delegierte zur „Vollversammlung des Volkes Gottes“ zusammenkommen und wo jeder, auch der Bischof, Rede und Antwort stehen müsse und „wo wir gemeinsam die Leitlinien für unsere Arbeit festlegen.“

„Die Basisgemeinden sind die Antwort der Kirche Lateinamerikas auf das II. Vatikanische Konzil und die Herausforderungen der Zeit“, betont Kräutler. In den Basisgemeinden werde Kirche in vollem Sinne gelebt. Charakteristisch dafür seien folgende Dimensionen:

- der samaritische Dienst, „dass wir nicht an denen vorbeigehen, die Hilfe brauchen oder die unter die ,Räuber‘ gefallen sind“;
- die prophetische Dimension, die „die Ursachen und die Verursacher beim Namen nennt, die für Armut, Gewalt an Frauen, sexuellen Missbrauch oder die Zerstörung des Urwaldes und des indianischen Lebensraumes verantwortlich sind“;
- die familiare Dimension, wo die Gemeinde lernt, sich als Familie, als geschwisterliches Volk Gottes zu fühlen;
- die kontemplative Dimension des miteinander Betens und Hinhörens auf das Wort Gottes;
- die missionarische Dimension, „in der wir Gottes Liebe verkünden und durch unser Leben bezeugen – und wo wir mit religiös und kulturell ,anderen‘ respektvoll und auf gleicher Augenhöhe im Dialog sind“.

Hans Baumgartner



Wenn Kinder zu Aids-Waisen werden



Sie hat viel bewegt in Mosambik und Südafrika. Während ihres achtjährigen Missionseinsatzes hat Silke Mallmann gemeinsam mit ihren Mitschwestern vom Orden vom Kostbaren Blut u. a. Betreuungseinrichtungen für Aids-Waisen aufgebaut. Ein Beitrag zum Weltmissions-Sonntag.

Still und traurig sitzt Basha am Bett ihrer Mutter, die gerade an den Folgen ihrer Aidserkrankung gestorben ist. Das zwölfjährige Mädchen ist das älteste Kind in der Familie und bleibt mit ihren vier jüngeren Geschwistern alleine zurück. Den Vater haben sie schon vor ein paar Jahren durch Aids verloren. Basha und ihre Geschwister gehören nun zu den etwa zwei Millionen Aids-Waisen in Südafrika.

Tägliche Betreuung. Fälle, wo Eltern an Aids starben und ihre Kinder zurückblieben, häuften sich mehr und mehr. So haben die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, deren Krankenhaus St. Mary’s an die Missionsstation Mariannhill in Südafrika angegliedert ist, im Jahr 2003 begonnen, Betreuungseinrichtungen für Aids-Waisen zu installieren.
„Es ging darum, die Kinder täglich zu Hause zu betreuen und zu versorgen, um sie nicht aus ihrem sozialen Umfeld zu reißen. Zusätzlich wurden Selbsthilfegruppen in Schulen und Tagesstätten für Aids-Waisen geschaffen“, erzählt Schwester Silke. In den Projekten der Schwestern vom Kostbaren Blut in Mariannhill, die von der Caritas Vorarlberg unterstützt werden, gibt es derzeit 1400 Aids-Waisen.

Entwicklung. Im St. Mary’s Hospital sei im Zeitraum von 2000 bis 2008 die Zahl der Neuinfizierten stetig gestiegen, aber es gab auch immer mehr schwer Aids-Kranke und Aids-Tote, erinnert sich Schwester Silke. „In Südafrika war es so, dass der Staat jahrelang verneinte, dass es eine Epidemie gab. Das wurde einfach verleugnet, stigmatisiert. Es wurden auch keine Gelder für die Aids-Hilfe frei gemacht. Dieses Verschweigen hat dazu geführt, dass sich in einem so reichen Land wie Südafrika eine Aids-Epidemie dermaßen ausbreiten konnte“, so die Ordensfrau. Zu Beginn der Aids-Epidemie in den 90er Jahren aber auch danach wurden etwa 25 Prozent aller Hilfsleistungen in Afrika von den Kirchen geleistet. Erst vor sechs Jahren habe die Regierung Südafrikas aufgrund des internationalen Drucks begonnen, sich Wege im Kampf gegen Aids zu bahnen. „2003 haben wir endlich Zugang bekommen zu antiretroviralen Medikamenten, mit denen Aids zwar nicht geheilt werden kann, die die Situation der Betroffenen aber wesentlich verbessern und ihr Leben verlängern. Zum ersten Mal gab es Hoffnung, etwas tun zu können. Nur langsam brechen das Stigma und die Tabuisierung, die mit Aids verbunden sind, auf. Viele Leute haben nach wie vor Angst zu sagen, dass sie infiziert sind“, so die Missionarin. Derzeit sind von den rund 50 Millionen Einwohnern Südafrikas 5,5 Millionen Menschen mit dem HIV-Aids-Virus infiziert. Damit zählt Südafrika neben Indien zu jenen Ländern, die am stärksten von der Aids-Problematik betroffen sind.



Im Blick


Zur Person

Die gebürtige Aachenerin Silke Mallmann ist 1991 bei den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Wernberg/Kärnten eingetreten. An der Universität Klagenfurt und Edinborough hat sie Pädagogik und Psychologie studiert. Von 2000 bis 2008 war sie in der Aids-Arbeit abwechselnd in Südafrika und Mosambik tätig und hat als Konsulentin für die Caritas Vorarlberg gearbeitet. Ein wichtiger Bereich war die Ausbildung freiwilliger Hauskrankenhelferinnen in der Aids-Betreuung. „Das sind vor allem Frauen, die keine Arbeit hatten, an der Armutsgrenze lebten, unterdrückt wurden. Durch unsere Ausbildung haben viele Frauen Arbeit gefunden. Es war eine Freude zu sehen, wie sie gewachsen sind.“ Schwester Silke Mallmann schreibt im Oktober die Sonntags-Kommentare.

Susanne Huber



Senegal: Ein Land des friedlichen Dialogs


Sind derzeit in Österreich: Bruder Thomas und Bruder Stanislas vom Benediktinerkloster Keur Moussa im Senegal.


Bruder Thomas, Benediktinermönch im Kloster Keur Moussa im Senegal, hat vor kurzem seinen Vater verloren. „Zur Beerdigung in Dakar sind auch die Muslime aus der Nachbarschaft gekommen. Sie sagten, sie werden für meinen Vater ein Gebet in der Moschee sprechen, weil sie so gut miteinander ausgekommen sind“, erzählt Thomas. Im Senegal sind 90 Prozent der Bevölkerung Muslime, sieben Prozent Christen. Trotzdem gibt es keine Spannungen. „Wir haben das große Glück, dass es in unserer Heimat ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen gibt, geprägt von gegenseitigem Respekt. Das geht zurück auf den ersten Präsidenten des Senegal, Leopold Sedar Sengho. Er war Katholik und wollte, dass der Senegal ein Land des Dialogs ist, wo die unterschiedlichen Kulturen friedlich miteinander leben“, so Bruder Thomas. Gemeinsam mit seinem Mitbruder Stanislas ist er derzeit auf Einladung von Missio Austria (Päpstliche Missionswerke) in Österreich unterwegs, um über seine Heimat zu berichten. Bekannt sind die Benediktinermönche von Keur Moussa für ihre traditionellen Gesänge und Instrumente. „Im Kloster gibt es ein Atelier, wo wir die Kora, ein traditionelles Saiteninstrument des Senegal, weiterentwickelt haben und auch verkaufen“, so der Mönch. Jährlich wird am Weltmissions-Sonntag (heuer der 18. 10.) weltweit in allen Pfarren für etwa 1100 benachteiligte Diözesen in den Ländern des Südens gesammelt, um ihre Existenz zu sichern.

- Spenden an: Missio Päpstliche Missionswerke, PSK-Konto 7.015.500, BLZ 60.000
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