Ausgabe: 2009/42, Kopf der Woche, Barack Obama, Friedensnobelpreis, Robert Gibbs,
14.10.2009
- Hans Baumgartner
Da blieb selbst dem an Überraschungen gewöhnten Regierungssprecher Robert Gibbs die Sprache weg. „Wow“, sagte er nur, als er vom Friedensnobelpreis für Präsident Barack Obama erfuhr.
Das fünfköpfige Komitee für den Friedensnobelpreis war schon für manche Überraschungen gut. Als es am vergangenen Freitag in Stockholm seine Entscheidung für den erst seit zehn Monaten regierenden US-Präsidenten Barack Obama bekannt gab, sorgte es für weltweites Aufsehen. Erstaunen, Zustimmung, Jubel und Skepsis folgten auf dem Fuß. Selten zuvor habe eine Persönlichkeit so sehr die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geweckt, würdigte das Komitee das „auf den Werten der Menschheit“ beruhende Bemühen Obamas um eine Diplomatie des Dialogs. Eine besondere Rolle habe auch die Vision Obamas für eine Welt ohne Atomwaffen gespielt. Erst vor kurzem hatte der US-Präsident die Pläne für einen Raketenschild in Osteuropa aufgegeben, um den Weg für Abrüstungsverhandlungen mit Russland freizumachen und die Kremlherren für eine Kontrolle der Atomanlagen im Iran zu gewinnen.
Barack Obama wurde 1961 als Sohn einer Amerikanerin und eines Kenianers in Honolulu geboren. Auf Indonesien, wo seine Mutter als Entwicklungsexpertin arbeitete, besuchte er eine interreligiöse Kapuzinerschule. In Chicago unterstützte er Kirchengemeinden bei der Integration von Arbeitslosen. Als Senator von Illinois (1996 bis 2004) setzte er sich besonders für Menschen ohne Krankenversicherung ein. Obwohl er ein entschiedener Gegner des damals populären Irak-Krieges war, wurde er 2004 in den US-Senat gewählt. Seit 20. Jänner 2009 ist er Präsident der USA.
Angela Merkel: „Es ist ihm in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen. Er hat ein Fenster der Möglichkeiten geöffnet. Der Preis ist ein Auftrag für ihn – und für uns.“