29. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 18. Oktober 2009
Ausgabe: 2009/42, große Menschen, 29. Sonntag im Jahreskreis, 18. Oktober, Evangelium, Lesung, Wort zum Sonntag, Gott ausstrahlen, Sr. Silke Mallmann, Markus, Jesaja, Hebräer, Gogo, Miriam Ndaba
14.10.2009
Menschen, die Gottes Liebe und Nähe ausstrahlen, nicht nur in den großen Ereignissen, sondern in den kleinen Diensten und Geschehnissen des Alltags – in ihnen bekommt Jesu Satz „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ ein menschliches Gesicht.
Evangelium
Mk 10, 35–45
Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den anderen links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
1. Lesung
Jes 53, 10–11
Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen. Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.
2. Lesung
Hebr 4, 14–16
Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat. Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.
Dies ist die Zeit . . .
. . . in der jede Mutter realisiert, dass die Schmerzen, die sie während der Geburt erträgt, nichts sind im Vergleich zu den Schmerzen, die sie erträgt, wenn sie sieht, wie ihr Kind an Aids stirbt. Es gibt keine Frau, die nicht von der HIV/Aids-Pandemie betroffen ist – entweder direkt, wenn sie ihr eigenes Kind begräbt – oder indirekt, bei der Beerdigung der Söhne und Töchter ihrer Nachbarin. Tag für Tag sieht man Mütter an die Kliniken kommen, die ihre sehr kranken und abgemagerten Kinder begleiten. Es ist nun die Zeit für uns Mütter, uns die Hände zu reichen, zusammenzustehen als Schwestern und unseren Söhnen und Töchtern, deren Leben von HIV/Aids betroffen ist, in Liebe beizustehen. Es wird gesagt, Frauen seien das schwächere Geschlecht . . . aber spirituell sind wir sehr, sehr stark. Es ist die Hoffnung, die uns stark macht. Hoffnung, dass wir es schaffen, diese Seuche eines Tages zu überkommen . . .“
Haben Sie jemals einen wirklich großen Menschen in ihrem Leben getroffen? Jemand, der ihr Leben so beeinflusst hat, dass es Sie bis ins Innerste getroffen hat? Für mich war es Gogo. Gogo hatte seit jeher die Pflegedienstleitung im Krankenhaus in Mariannhill/Südafrika. Am Tag ihrer Pensionierung kam sie zu mir und bat, ob sie ehrenamtlich bei uns im Projekt mitarbeiten könnte. „Ich kann doch nicht zuhause sitzen und nichts tun, während um mich herum die Menschen sterben“, sagte sie. Seitdem ist sie, trotz Herzschwäche, unterwegs: in der Hauskrankenpflege, bei den Waisenkindern, die sie „Gogo“ nennen – „Oma“. Gogo hat uns alle verändert: sie zeigt uns, was es heißt, sich so vom Schicksal der Kranken berühren zu lassen, dass die Sorge und der Dienst für den anderen das eigene Leben so durchwirkt, dass es wirklich Frucht bringt und dass es ausstrahlt, ansteckend wird.
Gogo war nie eine Frau der großen Worte. Trotzdem gab sie mir eines Tages folgenden Text: „Dies ist die Zeit, in der jede Mutter realisiert, dass die Schmerzen, die sie während der Geburt erträgt, nichts sind im Vergleich zu den Schmerzen, die sie erträgt, wenn sie sieht, wie ihr Kind an Aids stirbt. Es gibt keine Frau, die nicht von der HIV/Aids-Pandemie betroffen ist, entweder direkt, wenn sie ihr eigenes Kind begräbt, oder indirekt, bei der Beerdigung der Söhne und Töchter ihrer Nachbarin. [. . .] Es ist die Hoffnung, die uns stark macht. Hoffnung, dass wir es schaffen, diese Seuche eines Tages zu überkommen . . .“ (vollständiger Text s. oben)Gogo ist mit ihrem Leben zur Hoffnungsträgerin geworden: für tausende von kranken Menschen, für hunderte von verwaisten Kindern, aber vor allen Dingen auch für mich. In ihr bekommt Jesu Satz „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ ein menschliches Gesicht.
Zum Weiterdenken
Wo begegnen mir in meinem Leben „große“ Menschen? Menschen, die Gottes Liebe und Nähe ausstrahlen, nicht nur in den großen Ereignissen, sondern in den kleinen Diensten und Geschehnissen des Alltags?
Sr. Silke Mallmann Missionsschwester vom Kostbaren Blut im Kloster Wernberg, als Konsulentin der Caritas Vorarlberg 2000 bis 2008 in der HIV/Aids-Arbeit in Südafrika und Mosambik.Die Autorin erreichen Sie unter: