Ausgabe: 2009/43, Schule, Bauernhof, Henne, Eier, Ei, Kinder, Besuch, Schule am Bauernhof, Pevny Anna, Pevny
21.10.2009
- Judith Moser-Hofstadler
Raus aus der Klasse, auf zum Bauernhof: Für dieSchüler/innen ist es ein lustiger Ausflug und einewillkommene Abwechslung: Lehrer/innen, Bauern und Bäuerinnen können wie nebenbei eine Menge Lernstoff unterbringen – ein Vormittag „Schule am Bauernhof“.
Mit einer kleinen Wanderung startet Anna Pevny mit den Kindern. Eine vierte Klasse Volksschule aus Asten ist zu Besuch auf ihrem Bauernhof in Niederneukirchen. Die Kinder werden mit ihrer Lehrerin und zwei Begleitmüttern den Vormittag hier verbringen und alles zum Thema „Von der Henne zum Ei“ erfahren. Den Anfang macht Anna Pevny auf einem Feld. Schließlich bekommen die Hühner Getreide als Futter, und das wächst da. Sie erklärt den Schüler/innen, was zu welcher Jahreszeit auf einem Ackerpassiert, was Gründüngung ist und was sein muss, wenn ein Hof biologisch bewirtschaftet wird, so wie der von ihr und ihrem Mann Franz.
Ei ist nicht gleich Ei. Zurück am Hof wird zusammengefasst: Das wichtigste Futter für Hühner ist Mais und Getreide. Bevor es zum Hühnerstall geht, spricht Anna Pevny mit den Kindern über verschiedene Hühner-Haltungsformen.
Größerer Wortschatz. „Asten ist keine typische Landgemeinde, wo die Kinder Naturerfahrungen machen können“, sagt die Lehrerin Helga Aichberger. „Ich habe auch viele Kinder mit nicht deutscher Muttersprache in der Klasse. Da fehlt oft der Wortschatz für den Alltag. Mit ,Schule am Bauernhof‘ möchte ich die Allgemeinbildung fördern und die Freude am Forschen und Entdecken.“ Das Angebot ist für sie mehr als eine Ergänzung zum Sachunterricht. Sie weiß, dass das, was die Kinder hier erleben, nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Die Lehrerin beobachtet, dass Naturerfahrungen mit Eltern „ganz unten auf der Hitliste“ stehen. Nach dem Besuch am Hof würden die Kinder wissen, was „Getreide“, „ackern“ oder „scharren“ bedeutet.
Unter Hühnern. Dann geht’s endlich weiter zum Hühnerstall. 100 Hühner leben dort mit Auslauf, eines meldet sich lautstark. Die Kinder hören vor lauter Aufregung kaum, was Anna Pevny erzählt. Sobald sie beim Zaun stehen, kommen ihnen die ersten neugierigen Hühner auf der anderen Seite entgegen. „Liab!“, darüber sind sich die Kinder einig. Ein Huhn entwischt aus dem Stall, als Frau Pevny die Türe öffnet. Sie fängt es. Die Kinder dürfen die Federn befühlen und einen Blick in den Stall werfen: Nester und Stangen werden bewundert und kommentiert.
Weiches Fell. Was den Kindern an den Hühner gefallen hat? „Dass das Fell so weich ist.“ Der Bub wird gleich ausgebessert: Hühner haben Federn. Hana hat schon einmal lebendige Hühner gesehen, David noch nie. Philipp wohnt neben einem Bauernhof, der kennt Hühner. Jana war mit ihrer Tagesmutter auf einem Bauernhof. Inzwischen nimmt die Bäuerin die Eier aus den Nestern. Mit dem Eimer voll Eiern geht es weiter zur Sortier-Maschine. In zwei Gruppen dürfen die Kinder kommen und selbst Eier darauflegen. Sie sind zu stürmisch – schon knackt eine Schale. „Voll geil“, lautet der erste Kommentar zur Maschine.
Arbeitsplatz Bauernhof. Anna Pevny ist Hauswirtschafts- und Kochlehrerin. „Ich wollte meinen Beruf in den Bauernhof hereinnehmen“, erzählt sie. „Ich hoffe, dass die Kinder mehr Naturverbundenheit bekommen und mehr Verständnis für die Bauernarbeit.“ Für sie ist das neben der Direktvermarktung eine Möglichkeit, von ihrer Arbeit am Hof zu leben. Im Herbst hat sie jede Woche ein bis zwei Schulklassen zu Gast.
Was auf der Schachtel steht. Im Seminarraum erfahren die Kinder noch alles über die Kennzeichnung der Eier. Sie bringen der Bäuerin ein Ständchen – „Bin i ned a schena Hau?“ – bevor es weitergeht in die Küche. Gekocht wird – eh klar – Eierspeise. „Boa, des riacht guat!“
ZUM THEMA
Schule am Bauernhof
„Das Schulgebäude ist die freie Natur, das Klassenzimmer der Acker, die Wiese, der Wald und das Stallgebäude. Unsere Lehrer/innen sind die Pflanzen, die Tiere und die Menschen, die auf dem Bauernhof leben.“ So wird „Schule am Bauernhof“ in einer Broschüre der Landwirtschaftskammer beschrieben.Kinder kommen auf den Bauernhof undlernen Leben und Arbeiten auf dem Hofkennen. Das Angebot richtet sich nach dem, was die „Schule am Bauernhof“-Betriebe zubieten haben. Es gibt außerdem Spezialthemen, etwa Alm, Kinderkochkurse, Wald oderKräuter. Und es funktioniert auch anders herum: Seminarbäuerinnen und -bauern kommen mit Behelfen in die Schule undgestalten Unterrichtseinheiten mit ihren Themen: Geschmacksschule, Schweinelehrpfad, Lebensmittelworkshop, biologische Landwirtschaft oder Bio-Faires-Frühstück.
Kontakt zu Schule am Bauernhof: Ländliches Fortbildungsinstitut OÖ, Tel. 050/69 02-12 52, E-Mail: ref-bildung@lk-ooe.at; Homepage: www.schuleambauernhof.at