Warum unser Hunger nach Treibstoff Brasiliens Jugend die Zukunft verbaut und wie die Bevölkerung versklavt wird, berichtet Marluce Melo, Mitarbeiterin der brasilianischen Landpastoral (CPT).
Mitte Oktober gastierte Melo in Oberösterreich, um auf die fatalen Auswirkungen des westlichen Lebensstils auf die brasilianische Landbevölkerung aufmerksam zu machen. „Agrosprit ist nicht so öko und grün, wie es scheint“, betont sie im Gespräch mit der KirchenZeitung. Im Kampf gegen den Klimawandel steigt die große Nachfrage der Industrieländer nach Agrosprit aus Zuckerrohr. Brasiliens Bevölkerung muss dafür jedoch einen hohen Preis zahlen. Während einige wenige Großgrundbesitzer profitieren, ist die Existenz der brasilianischen Kleinbauern gefährdet. Neben den Zuckerrohrplantagen bleibt kein Platz für klein strukturierte Landwirtschaft.
Luxus auf Kosten der Armen. Die Armen werden in Brasilien von den Reichen oftmals enteignet und von ihrem Landbesitz, der rechtlich kaum abgesichert ist, vertrieben. Und: „Auf manchen Zuckerrohrplantagen gibt es tatsächlich noch die Sklaverei“, prangert Marluce Melo eine Entwicklung an, die von der Agroindustrie angefeuert wird. So wird vielen Landarbeitern der Lohn bei gleichzeitigem Arbeitszwang vorenthalten. Dem Einsatz gegen diese Ungerechtigkeit hat sich die brasilianische Landpastoral (CPT) verschrieben. Gemeinsam mit der Landbevölkerung übt CPT Druck auf Unternehmen und Regierung aus.
Landflucht der Jugend. Mit diesem Kampf soll der Landflucht der Jugend etwas entgegengesetzt werden. Melo: „Viele junge Menschen sehen keine Perspektiven, weil ihnen die Agroindustrie die Zukunft verbaut.“ Dabei lauern in den großen Städten viele Gefahren wie Drogen, Gewalt, Prostitution. Marluce Melo will die Jugendlichen davon abhalten, in die Städte zu flüchten, und zeigen, dass sie ihren Traum vom eigenen Stück Land verwirklichen können. Mit Bildungs- und Freizeitangeboten versucht die CPT, das Landleben attraktiver zu machen. „Ihr habt Rechte, gemeinsam können wir etwas erreichen“, ist die wichtigste Botschaft an Brasiliens Landjugend.
Helfen ist zu wenig. An die Menschen in Oberösterreich hat Marluce Melo vor allem eine Aufforderung im Gepäck: Darauf achten, was man tankt. „Nur den Leidenden zu helfen, ist zu wenig“, meint Marluce Melo: „Wir müssen uns fragen, wie lange der Planet das noch aushält, dass unsere Landwirtschaft mehr für Maschinen als für Menschen produziert.“