Dass sie Vertrauen fassen können. Das ist einer der höchsten Werte, den Eltern ihren Kindern mitgeben können auf den Lebensweg. Im Beten wächst Vertrauen. Bereits mit kleinsten Kindern kann und soll man beten.
Fünf Wochen lang begleitet Mag. Gabi Doblhammer aus Salzburg Eltern mit Kleinkindern mit Anregungen zum Beten. Die KirchenZeitung gibt die Erfahrung der Krankenpflegerin und Theologin, die selbst zwei kleine Kinder hat, weiter. Die neue Themenreihe wird Eltern Mut machen, Gott den Kindern nicht vorzuenthalten, sondern sich mit ihren Kindern auf den Weg zu Gott zu machen. So kann ein Glaubensweg beginnen, der ein Leben lang trägt.
Gerade Eltern, die sich selbst mit dem Beten schwertun, können mit ihren Kindern auch selbst einen neuen Zugang zum Beten bekommen.
Damit das Leben Wurzeln hat
Mit Kindern beten: Ein „Schule“ des Vertrauens und der Geborgenheit
Sie will ihre Kinder Stefanie und Johannes zu Gott hinführen, damit sie in ihrem Leben starke Wurzeln haben, meint Gabi Doblhammer. Sie weiß aber auch um die Unsicherheit und Ratlosigkeit vieler Eltern, wie man das machen soll.
Als ihre Tochter Stefanie etwa zwei Jahre alt war, hat sich Gabi Doblhammer nach Gebetbüchern für kleine Kinder und Handreichungen für Eltern umgeschaut. „Ich war vom Angebot eher enttäuscht, vor allem, dass es kaum brauchbare Anleitungen für Eltern gibt, wie man mit Kindern betet. Dabei“, so Doblhammer, „sind gerade kleine Kinder sehr offen für religiöse ,Urthemen‘ wie Geborgenheit, Vertrauen, beschützende Liebe. Diese Zeit ist so etwas wie ein ,offenes Fenster‘, um damit zu beginnen, das Leben eines Menschen religiös zu verwurzeln.“ Im Beten mit kleinen Kindern könne man erfahren, wie sehr der Mensch „ein zutiefst religiöses Wesen ist“, meint Doblhammer.
Hemmungen. Aus Gesprächen hat Doblhammer die Erfahrung gewonnen, dass „es viel mehr Müttern (Eltern), als man oft meint, ein Anliegen ist, dass ihre Kinder etwas vom Glauben mitbekommen“. Gerade eher kirchenferne Frauen hätten sie dann auch gefragt, ob es da Hilfen gibt, wie man das richtig macht. „Es herrscht da eine große Unsicherheit, die vielleicht auch mit der eigenen religiösen Sprachlosigkeit zusammenhängt. Ganz sicher aber spielen bei vielen eher un-gute, ja bedrückende Erinnerungen an einen ,Kindheits-Gott‘, der alles sieht oder von dem man nur geliebt wird, wenn man auch brav ist, eine Rolle. Die Religion als ,Moralanstalt‘, als ,erhobener Zeigefinger‘ ist überraschenderweise auch in den Köpfen vieler jüngerer Mütter drinnen“, meint Doblhammer.
Anleitung. Wenn sie mit ihren Kindern bete, dann ist das für Doblhammer der Beginn eines Glaubensweges, der hoffentlich ein Leben lang trägt. Deshalb ist es ihr nicht so wichtig, dass ihre Kinder bald das ,Vaterunser‘ oder andere Gebete können, sondern dass sie erfahren, wer dieser „Papa im Himmel“ ist, „dass sie spüren und erkennen, da ist jemand – außer meinen Eltern – der mich liebt, dem ich wichtig bin, auf den ich mich verlassen kann, der mich nicht fallen lässt, egal was passiert.“ Es sei ihr wichtig, das Leben der Kinder mit diesem Gott in Verbindung zu bringen, nicht als moralisierende Instanz, sondern als den ,Ich bin da‘ der Bibel, als den, dem ich ganz trauen darf. Es gebe viele biblische Geschichten, die dabei hilfreich seien, dieses tiefe Vertrauen in Gott und diese Geborgenheit auch schon kleinen Kindern erfahrbar zu machen, meint Doblhammer. Zum biblischen Gott gehöre für sie aber auch, dass man ihn nicht verharmlost, ihn nicht zum „lieben Opa“ macht, „denn auch kleine Kinder spüren schon relativ bald, dass ja nicht alles geschieht, worum sie Gott bitten, und dass er Dinge zulässt, die wir nicht verstehen. Deshalb ist es mir wichtig, meinen Kindern von Anfang an ein Gottesbild zu vermitteln, das wirklich ein Leben lang stimmt. Kleine Kinder nehmen zunächst einmal alles sehr bereitwillig auf, aber es kommt die Zeit, wo sie beginnen, alles zu hinterfragen – und dann möchte ich, dass das, was ich ihnen von Gott vermittelt habe, auch standhält.“
Ermutigung. Mit religiöser Erziehung meint Doblhammer nicht etwas, „was man zusätzlich auch noch fördert, so wie die Musikalität oder die Sprachfähigkeit. Hier geht es nicht um eine Leistung, sondern um das Wahrnehmen und die Entfaltung einer grundlegenden Dimension unseres Menschseins, nicht um das Leisten, sondern um das Sein, um mich als Person. Insofern verstehe sie gut, wenn der Religionspädagoge Albert Biesinger etwas provokant meint, man dürfe Kinder nicht um Gott betrügen. Deshalb, so Doblhammer, sollte man Eltern mehr ermutigen, sich mit den Kindern auf den Weg zu Gott zu machen, „auch wenn sie selber das Gefühl haben, sie können es noch nicht so gut. Man muss nicht perfekt sein, aber man sollte gehen.“
Ab dieser Nummer: „Mit kleinen Kindern beten.“ Eine 5-teilige Reihe von Gabi Doblhammer.
ZUR PERSON
MMag. Gabi Doblhammer stammt aus dem Innviertel und lebt seit 1994 in Salzburg. Sie hat als Krankenschwester in Ried gearbeitet, bevor sie – mehr aus Interesse als aus beruflichen Gründen – in Linz und Salzburg Theologie, Philosophie und Germanistik studiert hat. Anschließend arbeitete sie in der Hauskrankenpflege und freiberuflich als Lektorin und Autorin. Mit Eltern-Kind-Gruppen arbeitet sie zu Themen religiöser Kindererziehung bzw. Kinderbücher. Sie ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder, Stefanie 3 1/2 und Johannes 2 Jahre.
NEUE SERIE: Mit kleinen Kindern beten – 1. Teil
Gott kennt deinen Namen
In der Taufe haben wir Eltern uns bereit erklärt, unser Kind im Glauben zu erziehen. „Wir hoffen und wünschen, dass unser Kind in diesem Glauben ein Zuhause findet, dass es auf seine Weise unseren gemeinsamen Glauben lebendig hält und glücklich darin bleibt.“ Mit diesen schönen Worten sprechen Eltern in der Tauffeier ihren Wunsch aus. Für das Kind hat damit ein langer Weg begonnen, auch als Erwachsene sind wir immer noch auf dem Weg. Was ist am Beginn dieses Weges besonders wichtig? Wie fangen wir an, mit einem kleinen Kind zu beten?Das kleine Kind stellt die Eltern vor die Aufgabe zu erklären, was wir beim Beten tun und wie dieser Gott ist. Vielleicht sind wir selber voller Fragen und fühlen uns dafür zu wenig kompetent. Als Eltern müssen wir aber nicht perfekt sein, wir dürfen uns gemeinsam mit dem Kind auf den Weg machen. Zuallererst ist für das Kind eine Frage entscheidend: Wie steht dieser Gott zu mir? Ist er gut oder ist er gefährlich? Muss ich ihn fürchten oder darf ich ihn lieben? Diese Frage sollte eindeutig beantwortet werden: Wir brauchen vor Gott keine Angst zu haben, er liebt uns und das ohne jede Bedingung.
Ein Fundament bauen. Wir können den Grundstein für ein positives Gottesbild legen, wenn wir dem Kind immer wieder sagen: Gott mag dich. Er kennt uns alle beim Namen, er kennt auch deinen Namen. Gott behandelt uns wie seine Kinder, er interessiert sich für uns, er beschützt uns. Wer Gott ist, wo er wohnt, wie er aussieht – diese Überlegungen sind für das Kleinkind noch nicht wichtig und Eltern können sich mit diesen Fragen (die ja nicht so leicht zu beantworten sind!) noch Zeit lassen. Sobald sich das Kind damit auseinandersetzen will, wird es von selbst fragen. Dass Gott allmächtig und allgegenwärtig ist, sollten wir Kindern sehr behutsam nahebringen. Denn ein Gott, der alles sieht, wird leicht bedrohlich. Statt die Allgegenwart Gottes zu betonen, können wir sagen: Gott hat immer Zeit für uns.
Der Gute Hirte. Damit das Kind allmählich ein inneres Bild von Gott entwickelt, können wir schon früh ausgewählte biblische Geschichten erzählen. Für kleine Kinder besonders gut geeignet ist das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15, 3–7): Ein Hirte lässt 99 Schafe zurück und sucht das eine verloren gegangene Schäfchen. Als er es wiederfindet, ist seine Freude groß. Etwas suchen, wiederfinden und liebevoll beschützen – das hat das kleine Kind schon an sich selbst oder mit einem Kuscheltier erfahren. Das Gleichnis vermittelt ein Bild von einem Gott, der sich um uns kümmert, der jeden beim Namen kennt, für den der Einzelne wichtig ist. Und es gibt keinen moralischen Unterton – der Hirte macht dem Schaf keine Vorwürfe! Es gibt eine Reihe von Bilderbüchern, die das Gleichnis für Kinder aufbereiten. Wenn wir diese Bibelgeschichte immer wieder vorlesen oder mit eigenen Worten erzählen, und dem Kind auch sagen, dass Gott wie dieser Hirte ist, kann das Kind dieses Bild in sich aufnehmen und hat damit eine gute, eine biblische Basis für eine Gottesvorstellung.
Gabriele Doblhammer
Lesen Sie kommende Woche hier: Gott lädt uns ein.
BUCHTIPP: Regine Schindler, Das verlorene Schaf. Illustriert von Hilde Heyduck-Huth. (Ein Bilderbuch für Kinder ab 3). Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2003, Euro 13,40.
Guter Gott, ich bin getauft, ich gehöre zu dir. Du wirst meinen Namen immer kennen, du wirst mich immer dein Kind nennen.
Ich bin . . . (Name des Kindes). Du kennst mich und hast mich lieb. Gott, du kennst meinen Namen.