In Gunskirchen können sich Angehörige auf besondere Weise von ihren Toten verabschieden
Ausgabe: 2009/44, Abschied, Raum, Gunskirchen, Tote, Zeit
28.10.2009
- Judith Moser-Hofstadler
„Der Verabschiedungsraumist für uns ein Segensraum geworden“, sagt Gertrude Lugmayr, das erfährt sie aus Rückmeldungen von Angehörigen. Sie können sich zu ihren Verstorbenen setzen und bis zum Begräbnis Zeit mit ihnen verbringen.
Um sich verabschieden zu können, brauchen Menschen Zeit, die sie auch mit ihren soeben Verstorbenen verbringen sollten.
„Man muss den Tod begreifen können. Die meisten spüren dann selbst, wenn es Zeit ist, loszulassen“, sagt Gertrude Lugmayr, die mit ihrem Mann ein Bestattungsunternehmen in Gunskirchen betreibt. Wenn früher Angehörige das Bedürfnis gehabt haben, sich zu verabschieden, konnten sie das im Obduktionsraum tun. „Das war ein verfliester Raum und einfach nicht ansprechend“, erinnert sich Lugmayr. Schließlich haben sie die Erlaubnis bekommen, eine der Verabschiedungskojen am Friedhof nach ihren Ideen zu gestalten.
Warme Farben. Der Raum ist in warmen Farben gehalten und erinnert an ein Wohnzimmer mit einem Tisch für den Sarg. Von oben kommt Tageslicht. Es gibt einen CD-Player, Malsachen für Kinder und Decken. „Ich habe noch ein Stillkissen genäht für Babys“, erzählt die Bestatterin. Für Eltern ist es hilfreich, ihr verstorbenes Kind selbst in den Sarg zu betten.
Verunsichert. Bei der Präsentation des Verabschiedungsraumes vor sechs Jahren waren die meisten Leute irritiert. „Weil alle das Schwarze gewohnt sind“, meint Gertrude Lugmayr. „Aber genau die, die gesagt haben, dass das höchstens für Kinder geeignet ist, haben das dann so genossen.“
Annähern. Wer den Raum nutzen möchte, bekommt einen Schlüssel, mit dem er jederzeit die Tote oder den Toten besuchen kann. Beim ersten Mal geht jemand von der Bestattung mit. „Viele schieben den Tod weit weg und der Verstorbene liegt offen da“, erzählt Frau Lugmayr. „Wenn sie sehen, wie ich selbst damit umgehe, hilft das oft.“
Zeit, loszulassen. Gertrude Lugmayr plädiert dafür, Toten mit Respekt zu begegnen, so wie man das für sich selbst erwarten würde. Für die Angehörigen wünscht sie sich, dass die Zeit vom Tod bis zum Begräbnis nicht zu kurz ist, damit sie sich gebührend verabschieden können, denn „das ist ein so wichtiger erster Schritt in der Trauerarbeit“.