Anglikaner sollen leichter katholisch werden können
Ausgabe: 2009/44, Übertrittswillige, Erzbischof Williams, Anglikaner, Bischöfinnen, Weihe von Frauen
28.10.2009
Die katholische Kirche will ihre Türen für übertrittswillige Anglikaner weiter aufmachen. Es handelt sich dabei vor allem um Gruppen der anglikanischen Kirche, die bestimmte Entwicklungen wie die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen ablehnen.
Es war sogar mehreren Tageszeitungen in Österreich eine größere Meldung wert: Am Dienstag vergangener Woche teilte der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, mit, dass der Vatikan den Übertritt von konversionswilligen Anglikanern zur katholischen Kirche erleichtern will. Papst Benedikt werde demnächst eine Apostolische Konstitution erlassen, die die Einrichtung von Personal-Ordinariaten ermöglichen soll. In diesen „abgespeckten“ Diözesen soll übertrittswilligen anglikanischen Bischöfen, Priestern und Gläubigen, die ihre Liturgie und ihr geistiges Erbe beibehalten und zugleich die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche wollen, eine neue Heimat geboten werden. Bisher war es Anglikanern nur möglich, einzeln in die katholische Kirche überzutreten. Sie mussten dabei auch auf ihre bis dahin gewohnte Liturgie und ihre Traditionen verzichten. Durch die neue Regelung sollen auch ganze Gruppen in die katholische Kirche – bei Wahrung ihrer Tradition (z. B. verheiratete Priester) – eintreten können.
Anfragen. Der Vatikan reagiere mit der neuen Rechtsform auf zahlreiche Anfragen aus der anglikanischen Kirche, betonte Kardinal Levada. Zu den voraussichtlichen Zahlen von Übertritten wollte er nichts sagen. Es lägen aber Anfragen von rund 30 Bischöfen vor. Schon seit längerem gebe es Gespräche zwischen dem Vatikan und der „Traditional Anglican Communion“ (TAC). Diese ist 1991 in den USA entstanden und umfasst rund 400.000 Gläubige in zwölf Ländern. Sie lehnt die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen, die Segnung von homosexuellen Paaren und bekennende Homosexuelle als Bischöfe ab. Die TAC wird von der anglikanischen Gemeinschaft nicht als offizielle Mitgliedskirche anerkannt. Wieweit die Maßnahmen des Vatikans Probleme für die Ökumene bringen werden, wird unterschiedlich beurteilt. Der anglikanische Primas, Erzbischof Rowan Williams, spricht von einer „notwendigen Klärung“.