Musik im Gottesdienst „zur Ehre Gottes und zur Freude der Gläubigen“ lautete das Thema des Symposions in Salzburg. Musik wird zur Hör-Übung für die Klänge der Welt, die aus der Stille kommen und wieder in sie münden.
Dass die Stille und das Hören wesentlich zusammenhängen, war Thema beim Symposion „Liturgiegemäße Musik“ in Salzburg Mitte Oktober. Die Rolle der Kirchenmusiker/innen in der Liturgie beleuchtete der Komponist Matthias Kreuels. Er sieht sich als Kirchenmusiker im Dienst der Liturgie und der Gemeinde.
„Die Stille ist ein Stachel für den Lärm“, bricht Klaus Röhring, der Herausgeber der Zeitschrift „Musik und Kirche“, eine Lanze für die Stille und fährt fort: „Hören ist nach Erich Fromm die höchste Form der Aktivität.“ Mit dem Eröffnungsvortrag beim Symposion „Liturgiegemäße Musik“ von 12. bis 13. Oktober im Bildunghaus St. Virgil in Salzburg trifft Röhring offenbar den Kern der Sache. Die Zustimmung im Saal bei den etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Österreich ist spürbar groß.
Keine Erklärungen im Gottesdienst. Die Stille wieder zu entdecken, sei auch eine Glaubensübung, denn der Glaube komme für ihn aus dem Hören. Der Mut zur Stille bedeutet, den Gottesdienst nicht mit Überaktivität zuzupflastern. Kommentierungen im Ablauf der liturgischen Feier unter dem Motto „Wir machen das jetzt, weil ...“ seien verzichtbar: „Der Gottesdienst ist ein durchkomponiertes Gesamtkunstwerk. Wer ständig alles erklärt, zerstört das Kunstwerk“, erklärt Röhring.
„Mitsingfähigkeit“ beachten. Bedeutet dies, dass die Gemeinde nur zum Zuhören da ist? Keineswegs, meint Prof. Matthias Kreuels, Kirchenmusiker und Komponist. Damit die Gemeinde ihre Rolle als Mitfeiernde wahrnehmen kann, müsse sie ernst genommen werden: Es gelte daher die „Mitsingfähigkeit“ der Gemeinde im Blick zu haben und zwar „grundsätzlich – und nicht nur ab und zu“, fordert Kreuels. Liedauswahl, Tonhöhe, Tempo gelte es entsprechend zu berücksichtigen.
Der Gemeinde dienen. Die Kirchenmusik solle der Gemeinde dienen und nicht umgekehrt. Dazu brauche es Kirchenmusiker/innen, die die Gemeinde in der Liedbegleitung aktiv stützen und nicht in ein Loch fallen lassen. Wer etwa beim Psalmensingen die vorhandenen Möglichkeiten richtig nutzt, erhält eine neue Dynamik. Als Beispiel führt Kreuels an: vorsingen, abwechselndes Psalmodieren, Kehrvers gemeinsam singen – es gehe darum, dass weder eine/r alles alleine macht noch alle überall mitsingen.
Mitsingen – Mitglauben. Dass Kirchenmusiker/innen nur Töne abliefern und die Frage des Glaubens davon unberührt bleibt, hinterfragt Kreuels bewusst. Liturgiegemäße Musik ist für ihn glaubensgemäße Musik. Kreuels: „Kirchenmusiker/innen sind nicht diensthabende Gäste, sondern Mitglaubende.“ – Dies war auch während des Symposiums gut hör- und sichtbar: Alle liturgischen Feiern wurden von Referenten und Teilnehmern musikalisch vorbereitet und mitgestaltet – und das auf höchstem Niveau.
- Die Liturgische Kommission für Österreich veranstaltete das Symposion, die Zeitschrift „Heiliger Dienst“ wird im Jänner 2010 darüber berichten.