Ausgabe: 2009/44, Sonntag, P. Markus Bucher, Wort zum Sonntag, glücklich sein, Himmel und Erde, Allerheiligen, ostkirchlicher Allerheiligenhymnus, Schönheit, Evangelium, Lesung, Heiligkeit, Matthäus, Johannes, Offenbarung
28.10.2009
Heiligkeit ist Gabe und Wunsch Gottes für jeden Menschen. Die große und vor allem bunte Schar „aller Heiligen“ der Christenheit hält eine Vielzahl an Beispielen parat, dass sie auch lebbar ist. Zwar sind manche heroische, unerreichbare Vorbilder. Immer aber waren es Menschen, die offen genug waren, Gottes Schönheit (siehe Hymnus) einzulassen in diese Welt, erfahrbar für andere – Heiligkeit mitten in Leben und Alltag.
Evangelium
Mt 5, 1–12a
Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie: Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
1. Lesung
Offb 7, 2–4. 9–14
Dann sah ich vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben. Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen. [. . .] Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen. Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.
2. Lesung
1 Joh 3, 1–3
Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.
Ostkirchlicher Allerheiligenhymnus
Schön durch die Schönheit der ersten Schönheit geworden
und erstrahlend wie Sterne, die nicht trügen,
habt, Heilige ihr, die Kirche Christi, zu einem Himmel gemacht
und habt sie alle – der eine so, der andere anders – vielgestaltig geschmückt.
Alle, die angehaucht hat die gottströmende Gnade des Geistes,
erstrahlen und glänzen und sind verwandelt in neue, schöne Gestalten.
Darum preisen wir die unteilbare, weise, dreifachstrahlende Wesenheit,
die wir als allmächtig erkennen.
Wort zum Sonntag
Glücklich sein
Der November, den viele wegen seiner Nebel und seiner Schwermut nicht mögen, beginnt in der Liturgie der Kirche mit einem großen Fest: Allerheiligen. Es ist ein Gedenktag all jener Menschen, die beispielhaft vorgelebt haben, was Christ-Sein bedeutet.
Im Evangelium hören wir aus der Bergpredigt die Seligpreisungen. Die Seligpreisungen sind ein Hymnus, ein Loblied auf das gelingende, sinnvolle Leben. Der Hymnus beginnt mit dem Ruf: Selig. Selig, die arm sind vor Gott, selig die Trauernden, selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Aber was heißt hier „selig“? Es hat viele Bedeutungen. Im griechischen Urtext steht das Wort „makarioi“ und das bedeutet glücklichsein. Wieder eine andere Bedeutung könnte sein: glücklich, selig sind jene, die mit Gott und sich selber übereinstimmen.
Die erste Seligpreisung beschäftigt sich mit dem Armsein. In unserer heutigen Zeit der Seligpreisung von Wirtschaftswachstum, Konsum, der enormen Möglichkeit des Besitzens in unseren Breiten, ist Armut nicht aktuell oder wünschenswert, sondern ein Skandal. Uns wird eher eingeflüstert: Selig, wer hat, noch seliger, wer mehr hat! Das Angebot der Freiheit vom Zwang des Besitzenwollens, vom Zwang zum Konsum, wird gar nicht mehr wahrgenommen. Und damit die Chance verpasst, bereit zu werden zum Teilen, zur Solidarität mit Menschen, die im Elend leben.Martin Gutl hat das einmal so formuliert: „Endlich einer, der sagt: ,Selig die Armen‘ und nicht: ,wer Geld hat, ist glücklich‘Endlich einer, der sagt: ,Liebe deine Feinde!‘ und nicht: ,Nieder mit den Konkurrenten!‘Endlich einer, der sagt. ,Selig; wenn man euch verfolgt‘ und nicht: ,Passt euch jeder Lage an!‘“ Ist das nicht eine ganz andere Ebene des Denkens und Handelns und ein Weg, der zum Glücklichsein führt!
Zum Weiterdenken
Glücklich, selig sind die, die geduldig sind und warten können bis langsam Frucht erwächst. Sie müssen nicht heute durchsetzen, was erst morgen reif ist.ڕ
P. Markus Bucher, Provinzial der Missionare von Mariannhill und geistlicher Assistent der Kath. Männerbewegung Linz.