Die evangelisch-lutherische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, ist zur neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) gewählt worden. Sie folgt Bischof Wolfgang Huber nach.
„Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Kraft, es auszuüben“, erinnert sich Margot Käßmann an die Mut machenden Worte ihrer Großmutter, als sie vor zehn Jahren das Amt als Bischöfin antrat. Am vergangenen Mittwoch ist die deutsche evangelisch-lutherische Theologin als erste Frau an die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt worden. Arbeitsschwerpunkte für die kommenden sechs Jahre seien u. a. die würdige Pflege im Alter, die Ökumene und die Bildung als Chance für alle Kinder, egal welcher Herkunft. „Wir haben den biblischen Auftrag, für die Würde der Kinder einzutreten und für Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft“, so Käßmann. Generell ist es ihr ein großes Anliegen, die Sehnsucht der Menschen nach Glauben zu wecken.
Karriere. Margot Käßmann ist selbstbewusst, redegewandt, liberal und sie pflegt einen offenen Umgang auch mit schwierigen Themen. „2006 wurde bei mir eine Krebserkrankung festgestellt, 2007 ist meine Ehe geschieden worden. Vor allem meine Scheidung hat mich extrem belastet. Ich bin meiner Landeskirche dankbar, dass sie mich durch diese Zeit getragen hat“, sagt die 51-jährige Mutter von vier Kindern. Käßmann wurde im deutschen Marburg geboren. Sie studierte in Tübingen, Edinburgh, Göttingen und Marburg Evangelische Theologie. Bevor Käßmann 1999 Landesbischöfin von Hannover wurde, hat sie als Pfarrerin und Beauftragte für den Entwicklungsdienst der evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und als Generalsekretärin des deutschen evangelischen Kirchentages gearbeitet.
Margot Käßmann: „Nur wer Wurzeln hat, ist stark genug, den Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft zu begegnen, ist frei, Fantasie für das Leben zu entwickeln, Träume zu haben – Flügel der Freiheit sozusagen. Ich bin überzeugt, der christliche Glaube bietet uns solche Wurzeln.“