„Die drei Delegierten unserer Pfarre sind sehr skeptisch zur Diözesanversammlung nach Wien gefahren. Und sie sind begeistert zurückgekommen“, berichtet Pfarrer Gerold Gump von Schwechat.
Als eine echte „Fantasieschmiede für die Kirche“ und als ein „Modell für die Weltkirche“ bezeichnete der Schweizer Theologe Leo Karrer, der als Prozessbeobachter eingeladen war, die Wiener Diözesanversammlung vom 22. bis 24. Oktober. 1200 Delegierte nahmen an der ersten von drei großen Versammlungen im Rahmen des Projektes „Apostelgeschichte 2010“ der Erzdiözese Wien teil.
Aufbruch. Der Schwechater Pfarrer Gerold Gump gehört zu den Mitbegründern der Priesterinitiative, die in Sorge um die Pfarrseelsorge Reformen in der Kirche fordert. Über diese Anliegen hat er auch auf der Diözesanversammlung gesprochen. Er selber war nur kurz dabei, aber sein Eindruck decke sich mit dem, was die drei Delegierten seiner Pfarre berichtet haben: „Es war wirklich eine gute Veranstaltung, auf der sehr offen und wertschätzend miteinander gesprochen wurde. Nichts wurde ausgespart und trotz unterschiedlicher Meinungen herrschte ein sehr positives Klima des Aufeinanderhörens und eines Dialogs auf gleicher Augenhöhe ohne Rang und Ansehen“, betont Gump. Für ihn war auch die Erfahrung wichtig, dass manche „Reizthemen“ wie die Zulassung zum Priesteramt, die Weihe „bewährter Männer“, die Einbindung von Laien in die Gemeindeleitung oder der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen nicht als Randthemen beiseite geschoben wurden. „Der mehrfache Applaus der Delegierten machte deutlich, dass hier echte Sorgen angesprochen wurden.“ Gump hofft, dass die spürbare Aufbruchsstimmung auch im weiteren Prozess durchgehalten werden kann. „Auch vor dem letzten Konzil gab es viel Skepsis, dass da nichts rauskommen wird. Und doch kam es ganz anders“, meint Gump. Als positives Signal, wie ernst dieser Prozess genommen wird, wertet er die Aussage von Kardinal Schönborn, dass dieser künftig mehr auf die Bedürfnisse der Pfarrgemeinden hören will und deren Anliegen auch stärker in die Weltkirche einbringen will.