Sie gehören selbstverständlich zum Inventar: die Barockengerl, die Kerzenleuchter und Heiligengemälde. Wenn sie plötzlich aus Kirchen und Pfarrhöfen verschwinden, ist die Bestürzung groß. Diebstahl von Kunstgut hat ganzjährig Saison, denn „für Engel und Jesusfiguren gibt es immer einen Markt\", sagt Judith Wimmer vom Kunstreferat. Kunstgut ist von mehreren Seiten bedroht. Unsachgemäße Lagerung in feuchten Depots hat fatale Auswirkungen. Wer sich leichtfertig von Objekten aus der Rumpelkammer trennt, erweist weder dem Pfarrbudget noch der nachkommenden Generation einen guten Dienst.
Sie gehören selbstverständlich zum Inventar: die Barockengerl, die Kerzenleuchter und Heiligengemälde. Wenn sie plötzlich aus Kirchen und Pfarrhöfen verschwinden, ist die Bestürzung groß. Diebstahl von Kunstgut hat ganzjährig Saison, denn „für Engel und Jesusfiguren gibt es immer einen Markt“, sagt Judith Wimmer vom Kunstreferat. Kunstgut ist von mehreren Seiten bedroht. Unsachgemäße Lagerung in feuchten Depots hat fatale Auswirkungen. Wer sich leichtfertig von Objekten aus der Rumpelkammer trennt, erweist weder dem Pfarrbudget noch der nachkommenden Generation einen guten Dienst.
Die Kunsträuber schlugen unbemerkt und blitzschnell zu. Am helllichten Tag stahlen sie aus der Pfarrkirche Zell am Moos vier Evangelisten und drei Engel. Der Wert des Diebesgutes laut Gutachten: insgesamt 27.000 Euro. Nicht nur der Kunstraub von Zell am Moos, der knapp zwei Monate zurückliegt, wirft ein Schlaglicht auf die Bedrohung der Kunstgegenstände in Oberösterreichs Kirchen. Spitzenjahr in dieser Hinsicht war das Jahr 2004: mit 26 angezeigten Diebstählen (die KIZ berichtete damals ausführlich). Von 48 gestohlenen Objekten waren 39 Engel. Beunruhigend ist, dass nach relativ ruhigen Jahren nun die Zahl der Diebstähle wieder zunimmt. Die Schadenssumme in den letzten drei Jahren beträgt 55.000 Euro.
Kunstgut schützen. „Von einer vielfach unterschätzten Gefahr“, spricht Wolfgang Hebenstreit. Der Restaurator berät Pfarren, wie sie ihre Kunstwerke vor Dieben schützen können. Hebenstreit: „Wer nichts unternimmt zur Sicherung, handelt wie ein Fahrzeugbesitzer, der sein Auto unversperrt und mit den Schlüsseln in der Zündung auf der Straße stehen lässt.“ Dabei sind es meist einfache Mittel, mit denen Kunstraub verhindert werden kann, weiß Hebenstreit. Den wirksamsten Schutz bietet eine Kombination aus elektronischer Alarmanlage und mechanischer Sicherung. Letztere verkompliziert die Mitnahme der einzelnen Kunstgegenstände. Wertvolle Zeit, damit die alarmierte Polizei rechtzeitig eintreffen kann. Um dem Diebstahl einen Riegel vorzuschieben, kann auch eine frühere Schließung der Kirche in den Abendstunden sinnvoll sein, sagt Mag. Eva Voglhuber vom Kunstreferat der Diözese Linz: „Besonders im Herbst und Winter ist das ratsam.“ Vom generellen Zusperren hält sie dagegen wenig. Achtsam sein, das gilt speziell für die jetzt kommende Kripperl-Zeit. Denn Krippenfiguren sind besonders gefährdet.
Erfolgreicher Diebstahl wird wiederholt. Ähnlich äußert sich Ivan Michael Cirko, Pfarrer in Zell am Moos. Bereits 2002 ist dort eine kleine Kreuzigungsgruppe gestohlen worden. Diebe sind oft Wiederholungstäter. War der Engel-Coup einmal erfolgreich, kehren die Kunsträuber zurück. Trotzdem will Pfarrer Cirko die Kirche offen lassen:„Die Leute wollen das so.“ Dass die gestohlenen Figuren auftauchen, darauf macht sich der Geistliche wenig Hoffnung: „Ich rechne damit, dass die Statuen längst außer Landes gebracht worden sind.“ Am Kunstmarkt sind die Heiligenfiguren jedenfalls heiß begehrt. „Engel gehen immer gut“, weiß Eva Voglhuber über die Vorlieben der privaten Sammler Bescheid. Es ist die Nachfrage, die zur großen Bedrohung der Kirchenkunst führt. Die Gefahr geht dabei längst nicht nur von Räubern und Dieben aus.
Kunstgut in Rumpelkammern. „Es gibt nichts, das nicht gefährdet ist“, bringt es Mag. Judith Wimmer auf den Punkt. Sie gab kürzlich eine dringende „Warnung vor Händlern in Pfarrhöfen und Kirchen“ heraus. Immer öfter kommen Händler in Pfarren und bieten an, das „alte Gerümpel“ in diversen Abstellräumen und Dachböden durchzusehen und die Objekte kostengünstig zu erwerben. Das Kunstreferat warnt: „Die scheinbar guten Preise stellen nur einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes dar. Objekte, die scheinbar verschmutzt und beschädigt sind und daher unansehnlich aussehen, werden oft in Bausch und Bogen mitgenommen.“ Dann landen Kerzenleuchter, Engelfiguren, Kelchvelen in Internetportalen oder in Privaträumen von Liebhabern. Dort gehören sie aber nicht hin, denn: „Dieses Kunstgut ist Eigentum der Kirche. Generationen vor uns haben investiert, dass unsere Kirchen künstlerisch gestaltet werden. Das bedeutet auch Verantwortung: den Objekten gegenüber und den Generationen, die nach uns kommen“, erklärt Wimmer.
Kunstgut pflegen. Unübersichtliche Sammeldepots in Pfarren bewirken zudem, dass Objekte verschmutzen, nicht mehr benützt und letztlich vergessen werden. Neben der fachgerechten Sicherung der Kunstobjekte in der Pfarrkirche, die immer von einem Experten erfolgen soll, lassen sich durch richtige Lagerung und Pflege Schäden vermeiden. Zerstörungen durch unsachgemäße Bohrungen, durch Feuchtigkeit, Licht und Hitze können enorme Kosten verursachen und Kunstgut unwiederbringlich zerstören.
Engel in sicheren Händen
Warnung vor Verkauf. Ein Händler bietet an, das herumstehende Gerümpel mitzunehmen und zahlt bar ein paar Euro? Hände weg, sagt die Diözese. Denn eines ist sicher: Das wertvolle Kunstgut wird unter seinem Wert verkauft. Außerdem ist ein Verkauf juristisch nicht gestattet: Bei Kunstgut in Pfarrhöfen und Kirchen handelt es sich nicht um ein Privateigentum, sondern um Kunstgut der Kirche. Objekte dürfen ohne Genehmigung des Kunstreferates und des Pfarrgemeinderates nicht veräußert werden. Ein Barockengel kann zwischen 1.500 und 5.000 Euro wert sein, ein Leuchter aus dem 18. Jahrhundert z.B. zwischen 800 und 1.800 Euro. Neben dem materiellen Wert gilt es auch den ideellen Wert zu achten. Das historische Erbe der Pfarren ist in jedem Fall zu schützen.
Beratung & Information im Kunstreferat. Wie lagere ich Prozessfahnen richtig? Wie schütze ich Krippenfiguren, Leuchter und Engel vor Beschädigungen und Diebstahl? – Bei allen Fragen zum Thema Kunstgut informiert Sie das Kunstreferat. Pfarren werden gerne auch vor Ort besucht und beraten.