Die Reihe „Erste Hilfe für die Seele“ füllt zur Zeit Säle. Kein Wunder, denn jeder siebente Mensch hat im Lauf seines Lebens mindestens einmal mit Depressionen zu tun. Die KirchenZeitung organisierte mit Sozialeinrichtungen (siehe Kasten rechts) eine Informations- und Gesprächsreihe. Letzte Woche gab es bereits Treffen in Munderfing (3. November) und in Eferding (6. November).
Es ist ein feuchter, kühler Novemberabend. „Depressiv könnte man werden“, sagt mancher gedankenlos – und meint nur seine kurzfristig trübe Stimmung angesichts der Wetterlage. Doch drinnen im Pfarrsaal Eferding ist von Depressionen als bitterem Ernst des Lebens die Rede. Für manche, die an diesem Freitag Abend gekommen sind, ist es das Lebensproblem schlechthin. Sie leiden selbst unter Depressionen – oder sie haben Angehörige, deren Leben wie ein Blatt vom herbstlichen Baum geweht zu werden droht. Sie kennen die Ängste darum. Frau D. zum Beispiel. Sie ist mit einer Freundin hergekommen. Aus der Verwandtschaft hat sich vor Kurzem jemand das Leben genommen. Das Warum quält. Beim Treffen am 3. November in Munderfing erzählen Angehörige davon, wie schmerzlich der Weg ist, den kranken Sohn oder die kranke Tochter oft über Jahre hin zu begleiten. Sie alle sind nicht allein. Auch Frau K. aus Tirol nicht. Zweimal hatte sie Krebs, hat Operationen und Chemotherapien überstanden. Jetzt muss sie mit der Versicherung um die Kosten für die Nachuntersuchungen streiten. Das setzt ihr zu.
Jede/r Siebente betroffen. Rund jeder siebente Mensch leidet in Österreich im Lauf seines Lebens einmal an einer Depression, erklärt Mag. Christian Lang von „EXIT-sozial“. Rund 1400 Menschen nehmen sich in Österreich jedes Jahr das Leben. Etwa 200 sind es allein in Oberösterreich. Depressionen sind dabei der häufigste Grund für Selbsttötung. Es beginnt oft einfach mit Traurigkeit und Niedergeschlagenheit. Ein Todesfall kann der Anlass sein oder dass jemand die Arbeit verloren hat. Probleme in der Partnerschaft sind häufige Depressions-Auslöser. Der Lebensmut sinkt. Das Aufstehen fällt schwer. Allmählich kommen körperliche Symptome dazu. Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen.
Erste Hilfe durch Zuhören. Das Wichtigste, was Angehörige und Freunde einem depressiven Menschen gegenüber tun können, ist das Zuhören. Zuhören stärkt die Zugehörigkeit zum Leben. Das Wichtigste, das Betroffene tun können, ist, Hilfe zu suchen, etwa in den Beratungszentren. „Ich hab lange gebraucht, bis ich dazu gestanden bin, dass ich Hilfe brauche“, erzählte eine psychisch kranke Frau in Munderfing. Ein Betroffener berichtet, wie seine Partnerin lange in psychiatrischer Behandlung war – und wie sie trotzdem allmählich den Weg in ein halbwegs „normales“ Leben gefunden hat. „Ein psychisch Kranker kann sich oft nicht mehr vorstellen, gesund zu werden“, meint er. Den Glauben zu stärken, dass Heilung möglich ist, sei ganz entscheidend.
Jede/r kann begleiten. „Ein bisschen Zeit!“ Das ist der Hauptwunsch vieler Menschen, die bei der TelefonSeelsorge anrufen, erzählt Dr. Roman Leitner. Er war lange Leiter der ökumenischen TelefonSeelsorge in Oberösterreich. Heute arbeitet er ehrenamtlich mit. Es gibt die menschliche Begleitung, die jeder machen kann, ermutigt Leitner, selbst auf depressionsgefährdete Menschen zuzugehen; etwa, wenn jemand einen Angehörigen verloren hat. Da gilt es, das Wieder-Hineinfinden in die Gesellschaft zu erleichtern. „Die Liebe Gottes soll durch uns selbst, nicht durch viele Worte, mitgeteilt werden“, betont Leitner. Zweieinhalb Stunden hat der Abend gedauert. Die Mitarbeiter/innen des Katholischen Bildungswerkes haben für eine Stärkung gesorgt. Viele nutzen sie, um zu tun, was auch das Um und Auf bei Depressionen ist: im Gespräch bleiben und vor allem dem anderen zuhören. Der Weg hinaus in die Nacht sollte ein wenig heller geworden sein.
- Broschüre. KirchenZeitung, Sozialressort des Landes OÖ und Arbeiterkammer haben 2008 die Broschüre „Wer hilft wie?“ in fünfter Auflage herausgebracht. Die TelefonSeelsorge betreut die Internetversion: - www.werhilftwie.at
- Veranstaltungen. Die Reihe „Erste Hilfe für die Seele“ wird getragen von pro mente OO, Exit-sozial, No Limits, TelefonSeelsorge, Behindertenseelsorge, Caritas invita (Engelhastzell) und KirchenZeitung sowie einem jeweiligen pfarrlichen Mitveranstalter bzw. in Schierbach der Zukunftsakademie SPES. Nach Munderfing, Eferding und Pfandl sind am Mittwoch, 11. November, die Pfarre Reichenau i. Mkr. und am Dienstag, 17. November, das Seminarhotel SPES in Schlierbach Gastgeber der Informations- und Diskussionsveranstaltung „Erste Hilfe für die Seele“. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.
- Adressen - TelefonSeelsorge Notruf 142 (landesweit ohne Vorwahl und kostenlos) - Psychosozialer Notdienst Linz und Steyr von pro mente, Tel. 0732/65 10 15 - Pro mente führt psychosoziale Beratungsstellen in Bad Ischl, Bad Zell, Braunau, Enns, Freistadt, Gmunden, Grieskirchen, Kirchdorf/Krems, Linz, Mondsee, Perg, Peuerbach, Ried i. I., Rohrbach, Schärding, Steyr, Traun, Vöcklabruck, Wels, Weyer und Windischgarsten. - Kriseninterventionszentrum von pro mente,Tel. 0732/2177 - Krisenintervention, Krisentelefon und Krisenzimmer von EXIT-sozial: Tel. 0732/719 719 - EXIT sozial führt Psychosoziale Zentren in Bad Leonfelden, Eferding und Linz-Urfahr. - Caritas invita, psychosoziale Begleitung, Tel. 07717/78 40-0