Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906 bis 1945) gilt zu Recht als Pionier in der Ökumene, aber es ging ihm um mehr als um Arbeits- und Zweckbündnisse der Kirchen untereinander.
Das betonte der Bonhoeffer-Forscher Ernst Feil bei seinem Vortrag im Evangelischen Studentenheim in Linz. Der junge Bonhoeffer reiste als Jugendsekretär des „Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen“ kreuz und quer durch Europa und war in der Ökumene – damals waren damit die christlichen Kirchen mit Ausnahme der katholischen gemeint – sehr engagiert. Das hielt ihn aber nicht davon ab, als Mitglied der Bekennenden Kirche einem Treffen fernzubleiben, zu dem eine damals ökumenisch führende Gruppe in Genf geladen hatte. Bonhoeffers Begründung: Er könne sich nicht mit der Deutschen Evangelischen Reichskirche an einen gemeinsamen Tisch setzen, die den „Arierparagraph“ der Nationalsozialisten ins Kirchengesetz übernommen hatte. Der Arierparagraph auf die Kirche angewendet, schloss Judenchristen und jene mit jüdischen Vorfahren vom Pastorenamt aus. „Die Reichskirche dient nicht Christus, sondern dem Antichristen“, so das scharfe Urteil Bonhoeffers: Die Kirche ist für Bonhoeffer im Bekenntnis zu Christus fundiert und dürfe sich nicht von der Sorge um den Machterhalt leiten lassen. Feil machte darauf aufmerksam, dass Bonhoeffer kein Problem hatte, sich dem Gebetsaufruf des Papstes um Frieden anzuschließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Anstöße Bonhoeffers von der Ökumene aufgenommen worden. Feil brachte die differenzierten Positionen Bonhoeffers auf einen Nenner, indem er ihn selbst zitierte: Durch die Führung Gottes und die Entscheidung der Kirchen kommen sich die Kirchen näher.