Die christliche Minderheit in Ägypten ist nicht klein: Von den 80 Millionen Einwohnern sind zehn Millionen Christen, dennoch werden sie zunehmend mehr Opfer von Übergriffen radikaler muslimischer Gruppen. Regelmäßig sind Partnerschaften zwischen Christen und Muslimen Auslöser für Angriffe. Die muslimische Mehrheitsgesellschaft erlaubt Hochzeiten mit Muslimen nur, wenn der männliche Christ – nur diesen betrifft das Gesetz – sich zuvor zum Islam bekehrt. Führen gemischt religiöse Paare dennoch eine Beziehung, antworten die Muslime häufig mit Gewalt auf den christlichen Bräutigam und seine Familie. Die Polizei schaut dabei in aller Regel weg. „Es stimmt nicht mehr zwischen den Christen und Muslimen. Es liegt etwas in der Luft“, sagt Sr. Juliana Baldinger. Die Sionsschwester lebt in dem Dorf Berba (ein Drittel Christen) und hat dort keine Angst, weil sie seit Jahren um guten Kontakt mit den Muslimen bemüht ist. Sie hält die Pflege von Beziehungen vor Ort und den gegenseitigen Respekt für entscheidend. Die Lage im Gesamten ist aber angespannt. Wie sich die Zukunft zwischen Christen und Muslimen weiter entwickelt, hängt von der Nachfolge des über 80-jährigen Präsidenten Hosni Mubarak ab.