Braucht ein Staat wie Österreich einen Nationalheiligen? Auch diese Frage könnten jene, die Staatliches von allem Religiösen strikt getrennt haben wollen, bald stellen. Am 15. November ist das Fest des Landespatrons Leopold von Österreich. Auf der anderen Seite: Bei jedem Lebensmittel, Spielzeug und sonst allem, was man kaufen kann, will man genau wissen, was drinnen ist. Produktdeklaration ist eine Errungenschaft. Man versteht es als Recht, über den Inhalt aufgeklärt zu werden. Warum nicht auch in geistigen und religiösen Belangen? Die gefährlichsten Ideologien sind jene, die sich nicht zu erkennen geben. Wer mit dem Kreuz oder mit einem christlichen Heiligen sein Selbstverständnis zu erkennen gibt, sagt damit, dass er nicht beherrschen will. An einem, der sein Leben für das Heil der Menschen gegeben hat, will man sich orientieren. Das ist nicht nur eine Botschaft nach außen, sondern eine beständige an sich selbst gerichtete Erinnerung. Ein bloßer Humanismus ohne Glaube steht auf schwachen Beinen, verkehrt sich oft in bitteren Zynismus. Es gibt nicht nur die Bedrohung durch religiösen Fanatismus – auch vor antireligiösen Fanatismen gilt es auf der Hut zu sein.