33. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 15. November 2009
Ausgabe: 2009/46, Leben, 33. Sonntag im Jahreskreis, Wissen, Vergänglichkeit, Markus Pucher, Zeit des Endes, Zeit der Not, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, Marie-Luise Kaschnitz
11.11.2009
Das Wissen um die Vergänglichkeit all dessen, was lieb und teuer ist, ist keine Aufforderung zur Lebensängstlichkeit, sondern zu biblich verstandener Klugheit: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden (vgl. Psalm 90,12 ). Heute leben, als könnte morgen das Ende sein. Heute lieben. Heute vergeben. Heute . . .
Evangelium
Mk 13, 24–32
Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
1. Lesung
Dan 12, 1–3
In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist. Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.
2. Lesung
Hebr 10, 11–14. 18
Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. Dieser (Jesus Christus) aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. [. . .] Wo aber die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Sündopfer mehr.
Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf Mitten am Tage Mit unserem lebendigen Haar Mit unserer atmenden Haut. Nur das Gewohnte ist um uns Keine Fata Morgana von Palmen Mit weidenden Löwen und sanften Wölfen. Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus. Und dennoch leicht Und dennoch unverwundbar Geordnet in geheimnisvolle Ordnung Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie-Luise Kaschnitz
Wort zum Sonntag
Zeit des Endes – Zeit der Not
Von einer Zeit der Not spricht die Lesung aus dem Buch Daniel. Ein Engelfürst mit Namen Michael tritt auf und kämpft gegen andere Engelfürsten. Was die Menschen zur Zeit des Danielbuches erlebt haben, waren schlimme Zeiten: Verfolgung und Vergeltungsmaßnahmen, denen gerade die Frommen ausgesetzt waren. Es ist aber auch die Verheißung der Rettung gegeben. Für alle, die im Buch des Lebens verzeichnet sind. Im Evangelium tönt es ähnlich. Nach der großen Not treten gewaltige Veränderungen ein. In ganz starken Bildern wird versucht zu beschreiben, was man eigentlich nicht beschreiben kann: Die Sonne verfinstert sich und die Sterne fallen vom Himmel. Weltuntergangsstimmung, es verschlägt einem die Sprache und macht Angst. Ereignisse der Zeit mögen auch hier den Hintergrund geliefert haben – die Eroberung Jerusalems durch die Römer und Zerstörung des Tempels. Angeblich sollen mehr als eine Million Juden in diesem Krieg getötet worden sein und Hunderttausende gerieten in Gefangenschaft.
Die Gegenwart ist für viele Menschen auch eine Zeit der Not geworden. Finanzkrise und ihre Auswirkungen bis hinunter zu den „kleinen Leuten“. Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren, sind in Armut geraten, manchmal auch ganz versteckt. Viele Sorgen um die Kinder und Jugendlichen. Die Welt ist insgesamt kälter geworden. Es gibt auch viel seelische Not, gerade jetzt im Herbst. Trauer und Depression. Eine Zeit der Not. Bange Fragen tauchen auf: Warum trifft es gerade mich? Und wie komme ich aus diesem „Loch“ wieder heraus?
Zum Weiterdenken
Körperliche und seelische Not können unerwartet und plötzlich kommen. Wer kann mir da helfen? Es sind oft gute Menschen, die mich stützen und durchtragen. Ich brauche sie nur anzureden. Sie sind da. Letztlich ist es ein liebender Gott, der mich nicht fallen lässt. Mein Name ist eingetragen im Buch des Lebens. P. Markus Bucher, Provinzial der Missionare von Mariannhill und geistlicher Assistent der Kath. Männerbewegung Linz. Den Autor erreichen Sie unter