- DSA Katharina Huber, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin
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Aus der Praxis: Ines, eine junge Frau, kommt in die Beratung, weil sie immerwieder auf die gleichen Muster hereinfällt. Sie hat eine Aufgabe ehrenamtlich übernommen und diese auch gut bewältigt, aber der sogenannte Freund, für den sie die Aufgabe erfüllt hat, kam mit dem Ergebnis nicht klar, hat sie beschimpft und sie als „Idiotin“ dargestellt. Sie möchte sich dagegen wehren und nicht wieder in eine solche Situation kommen. Ines übt einen Beruf aus, der ihr Freudebereitet, und sie bewältigt ihre Aufgaben gut. Sie sagt, sie hat kein Selbstvertrauen – sie lässt sich verunsichern, kann gegenAusbeutung keinen Widerstand setzen und fühlt sich dabei aber nicht wohl. Wie kann sie lernen, besser damit umzugehen?
Manchmal sind es Erfahrungen aus der Vergangenheit, die einen in der Gegenwart beeinflussen. Wer „alte Geschichten“ als solche erkennt, kann die Zukunft positiv gestalten.
Ines hatte es als Kind besonders schwer, da ihr Vater die Mutter und auch sie selbst geschlagen hat. Mit 15 Jahren wurde sie aufgrund dieser Verletzungen von zu Hause weggebracht und musste sich neu einleben. Sie erhielt zwar Therapie, kam sich aber manchmal unverstanden vor, weil der Therapeut ihr angeblich geraten hat, sich von der Mutter fernzuhalten. Dies konnte sie nicht verstehen und hat dann die Therapie abgebrochen.
Gefühl der Machtlosigkeit. Ihre Mutter konnte sich erst viel später den Angriffen des Vaters entziehen. Ines macht sich Sorgen um die Mutter, weil sie die Gewalt nicht verhindern konnte. Sie fühlt sich heute noch macht- und hilflos, wenn jemand sie anbrüllt, und kann nichts entgegensetzen. Immer glaubt sie, dass sie mit mehr Anstrengung die Erwartungen an sie erfüllen würde. Sie glaubt, es war bisher nur nicht genug.
Alte Geschichten. Ines hat ihre Ausbildung abgeschlossen, obwohl ihr das niemand zugetraut hat. Sie lebt jetzt allein und möchte sich von diesen alten Geschichten nicht mehr behindern lassen und „Nein“-Sagen lernen. Wie kann sie mit ihrer Wut umgehen und sich selbst und ihre Geschichte akzeptieren? Im Gespräch wird herausgearbeitet, wie viel Einsatz und Kompetenz sie sich erworben hat und dass sie diese auch leben darf. Ihren Ängsten und ihrer Wut kann sie mit Worten Ausdruck verleihen, sie ist nicht mehr ausgeliefert.
Keine Gewalt mehr. Sie kann und darfKonflikte austragen, und sie wird sehen, dass das nicht mehr Gewalt auslöst. Ines probiert dies bei einem aktuellen Problem aus und kommt voller Stolz in die nächste Stunde. So kann sie sich jetzt langsam auch ihrer Vergangenheit widmen, um positiv in die Zukunft zu schauen.
DSA Katharina Huber, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin