Ausgabe: 2009/47, Leitartikel, Pavle I., Weg zum Frieden, Friede, Patriarch Pavle I., Boris Tadic, Orthodoxie, Serbien,
18.11.2009
Dieser kleine Mann soll der große Patriarch Pavle I. sein? Am 14. Oktober 2005 besuchten die Linzer Bischöfe mit einer Delegation den Belgrader Patriarchen in seinem Amtssitz. Doch so klein und unauffällig seine Gestalt, so wach waren die Augen des damals 91-Jährigen. Am 15. November starb Pavle I. Allein durch seine Existenz hat er sein Volk verbunden, sagte Staatspräsident Boris Tadic im Nachruf. Für die serbische Orthodoxie hatte Pavle ähnliche Autorität, wie sie Franz König für die Katholiken Österreichs gehabt hat, auch in höchstem Alter. Pavles Amtszeit begann mit den Jahren des Balkankrieges. Wie sein Verhältnis zu den Machthabern um Milosevic wirklich war, ist umstritten. Tatsache bleibt: Der Patriarch hat 1995 das Friedensabkommen von Dayton offen unterstützt – und damit der Staatsmacht die Stirn geboten. Zwei Jahre später nahm er an einem Protestmarsch gegen das Regime teil. Pavle war auf Aussöhnung aus – und hatte dafür keine Machtinstrumente aufzubieten. Seine bescheidene Lebensweise gab ihm Glaubwürdigkeit. Autorität besteht nicht nur im Elan der Jugend oder in persönlicher Durchschlagskraft. Wofür man steht, soll klar sein. Der Weg zum Frieden wäre ohne Pavle I. länger gewesen.