Schwanger. Was für die einen ein Grund zur Freude ist, löst bei anderen Ängste und Konflikte aus. Eine kleine Broschüre des Familienministeriums soll mithelfen, dass Schwangere in Notlagen rasch Hilfe finden. Dazu ein Gespräch mit Staatssekretärin Christine Marek.
Beratungseinrichtungen wie die „Aktion Leben“ haben sie lange gefordert. Jetzt gibt es eine Broschüre für Schwangere in Not. Was hat Sie veranlasst, diese herauszugeben? Marek: Aus Rückmeldungen von Beratungseinrichtungen wissen wir, dass Frauen bzw. Paare durch eine überraschende Schwangerschaft oft in einem emotionalen „Ausnahmezustand“ sind. Da ist es wichtig, dass sie möglichst rasch und möglichst leicht an Informationen herankommen, wo sie sich Rat und Hilfe holen können. Mir ist wichtig, dass sich in dieser Situation möglichst niemand alleine gelassen fühlt und sich vielleicht deshalb gegen ein Kind entscheidet.
Was kann die Broschüre „Schwanger“? Marek: Sie kann und will niemandem die Entscheidung abnehmen, aber sie will dazu einladen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es sind darin neben der zentralen Hotline und Internetadresse des Familienministeriums auch für jedes Bundesland Kontaktadressen an-gegeben, an die sich Frauen direkt wenden können bzw. wo sie Auskunft über die nächstgelegene Beratungsstelle erhalten. Sehr froh bin ich darüber, dass es durch die Zusammenarbeit mit der Ärztekammer, der Apothekerkammer und mit den dm-Drogeriemärkten gelungen ist, dass die Frauen überall dort, wo sie Schwangerschaftstests kaufen bzw. eine Diagnose gestellt bekommen, die Broschüre erhalten. Wir wollen diese Informationen, die unter Einbindung der „Aktion Leben“ erarbeitet wurden, möglichst breit anbieten und haben daher auch eine Startauflage von 240.000 Stück drucken lassen.
Aber gibt es denn auch ein ausreichend breites Beratungsnetz? Marek: Von den 400 von uns geförderten Familienberatungsstellen in Österreich haben 200 Einrichtungen auch qualifizierte Mitarbeiter/innen, um rund um das Thema Schwangerschaft weiterzuhelfen, 68 Beratungseinrichtungen befassen sich fast ausschließlich mit diesem Bereich. Außerdem bemühen wir uns, in der Weiterbildung der Berater/innen diesen Schwerpunkt zu fördern.
Wie stehen Sie zur Forderung nach einem öffentlichen Hilfsfonds für Schwangere und Mütter in Not? Marek: Für mich ist wichtig, dass wir mit dem Kinderbetreuungsgeld und der Familienbeihilfe ein möglichst dichtes Netz an familienunterstützenden Maßnahmen haben. Damit sind wir ganz vorne in Europa. Dazu gibt es noch für spezielle persönliche Notlagen den Familien-Härteausgleich. Und, soweit ich sehe, unterstützen die Beratungsstellen die Frauen (Familien) auch bei ihren sozialen Problemen. Ich räume aber ein, dass es trotzdem Notlagen gibt, die nicht abgedeckt sind. Da sollte man gemeinsam weiterdenken.
Sie haben auch eine Broschüre „Mein Kind ist schwanger“ angekündigt. Warum? Marek: Wir wissen, dass in den Beratungsstellen die Klientinnen zwischen 15 und 19 Jahren stark zunehmen und dass auch die Abbrüche in dieser Altersgruppe ansteigen. Wenn ein Teenager schwanger wird, sind die Eltern der werdenden Mütter oder Väter oft überfordert, ihren Kindern den notwendigen Halt zu geben. Wir werden sowohl den Elternbrief zur Pubertät neu überarbeiten als auch eine eigene Broschüre für Eltern herausgeben, deren Kinder früh Mütter oder Väter werden.
Zur Sache
Statistik, um besser helfen zu können
Staatssekretärin Christine Marek, die im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend vor allem für Familienagenden zuständig ist, forderte vergangene Woche auch eine Statistik über die Abtreibungszahlen und eine anonyme Erhebung der Abtreibungsmotive. Gesundheitsminister Alois Stöger meinte daraufhin, dass er keinen Sinn darin sehe, eine derartige Statistik zu führen und die Beweggründe für diese „sehr individuelle Entscheidung“ zu erheben.
Dazu meinte Staatssekretärin Marek im Kirchenzeitungsgespräch: „Wenn Minister Stöger meint, dass wir jetzt diese Forderung aufgeben, dann täuscht er sich. Ich finde die Situation in Österreich beschämend, dass wir neben Portugal und Luxemburg in Westeuropa eines der ganz wenigen Länder sind, das über Zahlen und Motive bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs offenbar nichts wissen will. Wenn der Gesundheitsminister einerseits diese anonymen Erhebungen ablehnt, andererseits aber sagt, er setze lieber auf Prävention, dann ist das ein Widerspruch. Denn genau dafür brauchen wir die Zahlen und Daten, damit wir nicht ins Blaue hinein was machen, sondern den Frauen möglichst punktgenau dort Unterstützung anbieten, wo sie diese brauchen. Wenn wir jetzt möglichst breit über Beratungsangebote informieren, so ist das ein Schritt, um Frauen (und Männer) bei Schwangerschaftskonfliktsituationen zu unterstützen. Für weitere flankierende Maßnahmen aber müssen wir mehr wissen, um wirksam helfen zu können.“
Die Aktion Leben, der Katholische Familienverband und die Bischofskonferenz haben letzte Woche den Vorstoß von Staatssekretärin Marek unterstützt und den Gesundheitsminister aufgefordert, zu handeln.