Ausgabe: 2009/47, Zuhause, Schwester Marco Gneis, Ordensfrau, Südafrika, Selbsthilfezentrum, Jabulani, Missionarin, Schwester vom Kostbaren Blut, Apartheid
18.11.2009
- Susanne Huber
„Für die Menschen da sein, das ist das Wichtigste“, sagt die Missionarin Marco Gneis. Die Ordensfrau der Schwestern vom Kostbaren Blut hat vor über zwanzig Jahren ein Selbsthilfezentrum in Südafrika ins Leben gerufen.
„Es war 1987, der Höhepunkt der Apartheid und es gab ein unglaubliches Hochwasser in Südafrika“, erinnert sich die burgenländische Schwester Marco Gneis. „Die Mission Mariannhill war voll von Flüchtlingen und Kranken. Mir war klar, dass es in den umliegenden Dörfern noch viel mehr hilfsbedürftige Menschen gibt und ich dachte, wenn ich helfen will, muss ich wissen, wie unsere Leute leben, woher sie kommen“, erzählt die Ordensfrau. So hat sie sich gemeinsam mit einer Krankenschwester zu Fuß auf den Weg gemacht. „Wir sind hinaus in die Dörfer, hinein in die Hütten, haben mit den Leuten gesprochen, sie geimpft, die alten Menschen gewaschen und ihnen die Zehennägel geschnitten“, berichtet die Missionarin, die damals noch als Stationsschwester im Kinderzimmer des St. Mary’s Hospital in Mariannhill gearbeitet hat.
Auslöser. Der Wunsch, in die Sozialarbeit einzusteigen, wurde immer größer. Den Anstoß, ein Selbsthilfezentrum in Mariannhill zu errichten, gab schließlich ein trauriges Erlebnis: „Weinend saß eine alte Frau auf der Erde, neben ihr lag das sieben Monate alte Enkerl. Die Mutter des Kindes sorgte sich nicht um das Kleine und die alte Frau wusste nicht, was sie tun sollte. Aus Verzweiflung hat sie das Mädchen einfach in den Bus geworfen. Als ich das sah, hab ich das Kind geholt, es auf meinen Rücken getan und bin in die Missionsstation gegangen“, so Schwester Marco.
Aids. Der Anfang war nicht leicht. Was 1988 unter primitivsten Umständen mit einem Raum begann, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem ansehnlichen Selbsthilfezentrum für Frauen entwickelt (siehe oben). Ein großes Problem ist Aids. „Jede dritte Frau bei uns im Zentrum ist mit Aids infiziert. Vor kurzem sind innerhalb einer Woche vier Frauen daran gestorben. Zurück bleiben die Kinder, weil die Väter sich sehr oft aus dem Staub machen und keine Verantwortung übernehmen. Den Kindern fehlt die Vaterfigur.“
Zusammenhalt. Trotz der vielen Schwierigkeiten ist Schwester Marco optimistisch. „Wir geben nicht auf, sondern machen weiter. Das Wunderbare hier bei uns im Selbsthilfezentrum ,Jabulani‘ ist, dass sich die Menschen gegenseitig helfen. Wenn jemand krank ist, wird er besucht, wenn die Kinder alleine sind, wird für die Kleinen gekocht. Man sieht, wie die Leute einander lieben. Ich glaube, so einen Zusammenhalt und so ein Zuhause kann man nur mit dem Herzen aufbauen.“ Die Frauen, die nach „Jabulani“ kommen, werden auch nicht gefragt, ob sie katholisch sind. „Wir sind da für alle Menschen, egal welcher Religionsgemeinschaft sie angehören“, sagt die Missionarin. (Siehe Kopf der Woche)
Im Blick
Selbsthilfezentrum
„Jabulani“ ist ein Ort der Zuflucht – für Frauen, die an Aids erkrankt und arm sind; für Großmütter, die ihre Enkelkinder betreuen, weil deren Eltern verstorben sind; und für Aids-Waisenkinder, um die sich niemand mehr kümmert. Im „Jabulani“ Selbsthilfezentrum gibt es u. a. eine Näherei, eine Kerzengießerei und eine Bäckerei. Hier finden Frauen Arbeit, bekommen für ihre Leistungen Geld und Lebensmittel und erhalten so ihre Würde zurück. Es gibt eine Krankenstation, einen Kindergarten und eine Schule für insgesamt 200 Kinder. Pro Tag bekommen die etwa 140 Frauen mit ihren Sprösslingen zwei Mahlzeiten. Die Leute finden hier auch sozialen Halt. „Wir sprechen mit den Frauen, hören ihnen zu, sind für sie da“, so Sr. Marco.