Weltwirtschaftskrise; Schweinegrippepandemie; Roland Emmerich, der uns in „2012“ den Weltuntergang prophezeit; Michael Jackson, der nach seinem Ableben noch einen Heiligenschein verpasst bekommt; sowie Barack Obama und Michael Moore, die als Hoffnungsträger versagen. Mitten in diese Tristesse werfen „Archive“ ihr monumentales Werk „Controlling Crowds I–IV“ und wollen damit die Welt erklären. Nicht, dass jetzt einer auf die Idee kommt, hier könnte man sich auch nur ein Körnchen Hoffnung abholen. Nix da. Mit diesem Opus Magnum halten Düsternis und Hoffnungslosigkeit Einzug. Die Angst kriecht einem die Beine hoch. Aus einer Mischung von Elektro, Trip Hop, Rock und Hip Hop kreieren „Archive“ ihr ganz persönliches Weltuntergangsszenario, dessen schiere Monumentalität einem die Blässe ins Gesicht treibt. In den ersten beiden Kapiteln wechseln einander hämmernde Beats und düstere Kirchenchöre ab – der Niedergang wird unerbittlich heraufbeschworen. Der dritte Teil des Konzeptalbums endet bezeichnend: „You could end everything right here / finish it off and disappear“ – der Song heißt „Funeral“ und ist ein finaler Abgesang, ehe sich im letzten Teil irgendwo zwischen Aldous Huxley und George Orwell eine neue Welt erhebt. Und wenn sich dann der ganze Bombast in sphärischen Songs wie „To The End“, „Pictures“ oder „Lunar Bender“ auflöst, ist die Welt schon längst kollabiert. Es sind die Schwanengesänge aus dem Jenseits – so lieblich, so traurig, so schön.
- Archive – Controlling Crowds I–IV (erschienen bei Warner)