Christkönigssonntag (Lesejahr B), 22. November 2009
Ausgabe: 2009/47, Sonntag, P. Markus Bucher, Wort zum Sonntag, Zeugnis ablegen, Hildegard Nies, König, Christkönigsonntag, Königreich, Nazareth, Wahrheit, Königsherrschaft, Offenbarung, Gabe der Liebe
18.11.2009
„Nicht von dieser Welt“ ist das Königreich des Jesus von Nazareth, auch ist er kein König, wie Menschen Könige sind. Um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, dazu kam er in diese Welt. Hingabe, Liebe und Mit-Leiden sind die Zeichen seiner Königsherrschaft.
Evangelium
Joh 18, 33b–37
[Pilatus . . . ] fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.
1. Lesung
Dan 7, 2a. 13b–14
Ich (Daniel) hatte während der Nacht eine Vision [. . .] Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.
2. Lesung
Offb 1, 5b–8
[. . .] er (Jesus Christus) ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, amen. Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.
Gib mir die Gabe der Liebe
du, König der Wundmale, leg dein Antlitz frei im Gesicht der Einsamkeit, im Gesicht der Traurigkeit, im Gesicht der Bedürftigkeit. Keiner, keine ist gering vor dir.
Gib mir die Gabe der Liebe, du, König des Lebens, gib mir Gewicht in deiner Welt, eine Stimme und ein Herz, damit ich nicht gewogen und zu leicht befunden werde und deine Liebe mich vergeblich sucht. Und dann, bitte, nimm mich für immer in dein Reich.
Hildegard Nies
Wort zum Sonntag
Zeugnis ablegen für die Wahrheit
Die Situation ist ernst. Jesus gerät in die Fänge der Justiz. Zuerst wird er vor den Hohenpriester gebracht. Es folgt eine Befragung über seine Jünger und seine Lehre. Jesus muss sich verteidigen: „Ich habe nichts heimlich gesprochen. Fragt doch die, die mich öffentlich gehört haben!“ Von dort bringt man ihn zum Amtssitz der höchsten Instanz, zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Pilatus, so macht es den Eindruck, hatte wenig Interesse an dem Fall. Er war ja den Juden gegenüber eher feindlich gesinnt. Sie wollten das Gebäude nicht betreten, weil sie sich sonst unrein gemacht hätten. „Also, was habt ihr gegen diesen Mann vorzubringen“, fragt Pilatus. Er spielt den Ball zurück. Das ist eure Angelegenheit! Das macht euch selber aus!
Allerdings, da ist doch etwas, worüber er nicht einfach hinwegsehen kann. Dieser Jesus behaupte, König der Juden zu sein! Und das wäre ja gegen den Kaiser gerichtet und da muss er schon genau prüfen, was das auf sich hat. Er möchte in Rom nicht in ein schiefes Licht geraten, dass er wegen eines Übeltäters nichts unternommen hätte. Also fragte er ihn direkt: „Bist du der König der Juden?“ „Ja. Ich bin ein König, aber mein Königtum ist anderer Art, nicht von dieser Welt. Ich bin gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.“ Pilatus schließt das Gespräch schnell ab. Was ist schon Wahrheit? Wer oben sitzt und Macht hat, kann es sich auch mit der Wahrheit richten. Pilatus bleibt uns in Erinnerung als ein Mann der Feigheit. Ein wahrhaftiger Mensch steht zu seinem Wort unabhängig von den Konsequenzen. Wahrhaftige Menschen sind uns Vorbilder. An ihnen können wir uns aufrichten.
Zum Weiterdenken
Nicht immer kann alles geklärt werden. Dann muss man die Sache so stehen lassen. Aber gut ist es, und auch notwendig, immer wieder nach der Wahrheit zu fragen und für sie einzutreten – auch dann, wenn es schwierig, ja gefährlich werden kann.
P. Markus Bucher, Provinzial der Missionare von Mariannhill und geistlicher Assistent der Kath. Männerbewegung Linz.