Berührt vom Schicksal der „Kinder von Etzelsdorf“ haben drei Künstlerinnen einen literarisch-musikalischen Abend im Bildungshaus St. Franziskus gestaltet. Die Lieder und Worte gegen das Vergessen gingen unter die Haut.
Tausende Kinder von osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in sogenannte „Fremdvölkische Kinderheime“ gebracht und dort mehr schlecht als recht betreut. Allein in Oberösterreich gab es zehn solcher Heime, weit mehr als hundert Kinder haben den Aufenthalt darin nicht überlebt. Viele andere kamen nach Kriegsende – durch Adoption oder Verwechslung – nicht zu ihren leiblichen Müttern zurück und suchen bis heute nach ihrer Herkunft. Der frühere KirchenZeitungs-Redakteur Martin Kranzl-Greinecker hat die Ereignisse im Kinderheim Schloss Etzelsdorf in Pichl bei Wels erforscht und eine Gedenkstätte initiiert. Die KirchenZeitung hat darüber mehrmals ausführlich informiert.
„Ich warte noch immer“. Als im Jahr 2008 die Zeitschrift „Welt der Frau“ unter dem Titel „Ich warte noch immer“ über die „Kinder von Etzelsdorf“ berichtete, berührte der Artikel die Riedauer Sängerin Christine Osterberger so sehr, dass sie sich entschloss, gemeinsam mit der Pianistin Katja Bielefeld aus Pichl und der Schriftstellerin Margarita Fuchs ein gleichnamiges künstlerisches Programm darüber zu gestalten. Die Collage aus Liedern, Texten und Klaviermusik wurde am 6. November 2009 in der Reihe „Die Vergangenheit ist nicht tot – sie ist nicht einmal vergangen“ nach kurzer historischer Einführung im Franziskushaus Ried/Innkreis uraufgeführt und beeindruckte die ca. 60 Premierengäste tief.
Musik und Literatur. Das gefühlvoll ausgewählte Programm beinhaltet einen Zyklus bekannter Kinderlieder, Lieder von Bach („Vergiss mein nicht“) und Brahms („In stiller Nacht“) ebenso wie das Aznavour-Chanson „Marie, Marie“, Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“, Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ oder eine Osterberger-Eigenkomposition. Die junge, mehrfach preisgekrönte Pianistin Katja Bielefeld, die auch regelmäßig Orgeldienst in der Pfarrkirche Pichl versieht, steuerte nicht nur Begleitmusik bei, sondern beeindruckte auch durch Klaviersolostücke, u.a. von dem im KZ Theresienstadt ermordeten Viktor Ullmann. Margarita Fuchs, in Riedau geborene und in Salzburg lebende Literatin, kam nach einer schweren Erkrankung, die sie zwang, neu sprechen und schreiben zu lernen, zur Schriftstellerei. Die von ihr zum Abend beigetragenen Gedichte stammen einerseits aus ihrer Feder und widmen sich ganz den „Kindern von Etzelsdorf“, andererseits las sie Lyrik, die im KZ entstand.
- Pfarren, Schulen, KBW-Teams oder andere an einer Aufführung des etwa einstündigen Programms Interessierte wenden sich an folgende Adresse: office@osterberger-riedau.at, Buchtipp: Die Kinder von Etzelsdorf, Martin Kranzl-Greinecker, Verlag Denkmayr , Euro 10,–. Musik und Texte, die zu Herzen gingen: Die drei Künstlerinnen Katja Bielefeld, Christine Osterberger und Margarita Fuchs gaben einen bewegenden Abend im Bildungshaus St. Franziskus in Ried. Osterberger.