Der Blick der Oö. Landesmuseen ist zum Abschluss des Kulturhauptstadt-Jahres auf Europa und die Heiligen gerichtet. Wie wird man heilig und wer wird heiliggesprochen: Diesen Fragen geht die Ausstellung „Nationalheilige Europas“ im Schlossmuseum Linz nach.
„Die Heiligen wählt sich das Volk“, meint Dagmar Ulm vom Schlossmuseum Linz, die diese Ausstellung mitorganisiert hat. Die Geschichte zeige, dass jene Heiligen, die den Menschen nahe waren und aus dem Volk gekommen sind, Jahrzehnte und Jahrhunderte in der Erinnerung und im Brauchtum überlebt haben. Als Beispiel führt sie die hl. Johanna von Orleans oder den hl. Franz von Assisi an. Oft decken sich zudem die regionalen Listen der verehrten Heiligenfiguren nicht mit denen, die offiziell aus dem Vatikan kommen. Manche Nationalheilige aus römischer Sicht sind vor Ort fast unbekannt, etwa der hl. Kolomann, der im Vatikan statt des hl. Leopold geführt wird.
Franz Jägerstätter und Edith Stein. Im ersten Raum der Ausstellung werden die Besucher/innen vom hl. Ulrich, dem hl. Martin, dem hl. Nikolaus – der als „ökumenischer“ Heiliger Ost- und Westkirche verbindet – und dem Seligen Franz Jägerstätter in Empfang genommen. Auch die 14 Nothelfer und die vier hl. „Madln“ sind da. Wofür sie als „Fürsprecher bei Gott“ zuständig sind, wird in kleinen Täfelchen erklärt. Der zweite Ausstellungsraum beschäftigt sich mit dem Thema „Macht und Heiligkeit“. Diese „Machtheiligen“ – meist aus adeligem Geschlecht – hätten oft nicht den Nerv des Volkes getroffen, sagt Ulm. Die politischen Hintergründe, die zur Heiligsprechung geführt haben, werden hier erläutert.
Alle Heiligen im Museum. Den gesamteuropäischen Heiligen ist ebenfalls ein Raum gewidmet: Dort befinden sich Benedikt von Nursia, Cyrill und Method, Katharina von Siena, Brigita von Schweden und Edith Stein. Auch die Marienverehrung und die damit verbundenen Wallfahrtsorte in ganz Europa werden präsentiert. Spannend ist zum Beispiel eine Romkarte aus dem 15. Jahrhundert, die „gesüdet“ – das heißt nach Süden ausgerichtet – wurde. Daher führen auf dieser Karte alle Wege nach Rom. Abschließend werden in einem Raum alle Nationalheiligen Europas mit Bild und Text vertreten sein. Die Ausstellung beginnt am 29. November und zeigt spannende kunsthistorische Aspekte und politische Hintergründe für so manche Heiligenlegende- und figur auf. Lebensgeschichten zu den Heiligen und Objekte aus der Volkskunde wie Mariendarstellungen auf Löscheimern oder Truhen runden die Schau ab (bis 5. April).
KIZ-Aktion: Ausstellung & Führung
Nationalheilige Europas. Die Ausstellung leistet aus kulturpolitischer Sicht einen spannenden Beitrag zum Selbstverständnis Europas in historischer und gegenwärtiger Zeit. Vorträge runden das Ausstellungsprogramm ab. Die KirchenZeitung lädt zum Besuch mit Führung am Fr. 11. 12., um 13.45 Uhr ein. Der Eintritt ist frei, Führungskosten betragen Euro 2,50 p. Person. Anmeldung erforderlich unter: Tel. 0732/76 10-39 44, KW „Nationalheilige“.