Ausgabe: 2009/50, 3. Adventsonntag, 13. Dezember, Evangelium, Lesung, Brüche, Scherben, Gott, Vorfreude, Josef Walder, Brigitte Enzner-Probst, Sohn Gottes, Gottessohn, Hoffnung, Wort zum Sonntag, schöner scheitern, Johannes, Advent, Gaudete, dritter Adventsonntag,
09.12.2009
In eine Welt voller Brüche und Scherben, aber auch voller Hoffnungen und Träume, kommt Gott. Im Schauen und in der Vorfreude auf den Sohn Gottes, dessen eigene Beziehungsgeschichte mit den Menschen über den Weg des Kreuzes führt, sind die eigenen Brüche, aber auch das Heil erkennbar. Advent ist die Einladung, trotz allem auf die Hoffnung zu setzen und mit Gottes Verheißung zu rechnen.
Evangelium
Lk 3, 10–18
Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.
1. Lesung
Zef 3, 14–17
Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.
2. Lesung
Phil 4, 4–7
Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.
Sieh, es gibt nichts . . .
Gott segne dich: das struppige Stroh deines wunderlichen Lebens das müde Heu verblasster Hoffnungen den warmen Atem deiner Träume.
Sieh, es gibt nichts was die Gnade nicht verwandeln könnte in Leben.
Geboren wird das Kind das göttliche auch in dir. Gott segne dich
Brigitte Enzner-Probst
Wort zum Sonntag
„Schöner scheitern“
„Was sollen wir also tun?“ fragen die Menschen den Propheten Johannes. Auf die Hoffnungen und Fragen der Leute antwortet er: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat . . . Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.“ Es geht nicht mehr um Johannes allein, sondern um Jesus und unsere Beziehung zu ihm.
„Jahrelang für die Karriere gerackert – und trotzdem will es einfach nicht laufen“, so titelte ein Managermagazin im Oktober dieses Jahres und gab Tipps zum „schöneren Scheitern“. In jeder Biografie gibt es Erfahrungen von Brüchen. Pläne, Träume und Hoffnungen zerbrechen. Manchmal gibt es das Gefühl, als gäbe es bloß Scherben, Narben auf meiner Seele und Narben in meinem Herzen.
In dieser Welt voller Brüche und Scherben, aber auch voller Hoffnungen und Träume, stellt Gott seinen eigenen Sohn. Brüche, Schmerz und Leid, aber auch Freiheit, Lebensannahme und Trost erschließen sich für uns Christen im Blick auf Jesus selbst. Im Schauen und in der Vorfreude auf den Sohn Gottes, dessen eigene Beziehungsgeschichte mit den Menschen über den Weg des Kreuzes führt, finden wir unsere eigenen Brüche, aber auch unser Heil. In ihm haben wir einen Weggefährten, der uns in unserem Leid nicht allein lässt, damit am Schluss nicht das Scheitern steht.
Der Advent ist die Einladung, trotz allem auf die Hoffnung zu setzen und mit der Verheißung Gottes zu rechnen. Wenn uns dies gelingt, werden wir zu Menschen, die es wagen, den Blick nach vorne zu richten. Und so werden wir es als ein Stück Wirklichkeit erfahren, wozu uns der dritte Adventsonntag einlädt: „Gaudete“ – Freut Euch.
Zum Weiterdenken
Freude öffnet den Blick auf andere und erlöst von selbstbezogener Enge. Gott will das gute und geglückte Leben des Menschen: Kann ich Niederlagen annehmen ohne zu verbittern oder zu resignieren?
Josef Walder, Theologischer Referent des Bischofs von Innsbruck.