Kopf der Woche: Hermann van Rompuy, EU-Ratspräsident
Ausgabe: 2010/03, Kopf der Woche, Hermann van Rompuy, EU-Ratspräsident, Belgier, Katholik, Kloster, Christliche Volkspartei, Brüssel, politischer Berater, Exerzitien
20.01.2010
- Susanne Huber
Der Belgier Hermann van Rompuy ist zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates gewählt worden. Jedes Jahr verbringt der Katholik eine Zeitlang im Kloster.
Er dichtet und liest leidenschaftlich gerne. Hermann van Rompuys Lieblingsliteratur ist auf seiner Internetseite gelistet; zu finden ist dort auch sein „Gedicht der Woche“. Doch er schreibt nicht nur Verse, sondern auch Bücher. Da der Belgier sehr gläubig ist, sind die Inhalte seiner Werke oft christlich geprägt. „Wenn ich schreibe oder lese, dann gehe ich ganz darin auf. Ich bin dann nicht mehr in der Politik. Das ist etwas völlig anderes“, so der neue EU-Ratspräsident. Über sich selbst sagt er, der Politiker van Rompuy sei ein anderer Mensch als der Privatmann. „Man muss die unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit organisieren können. Das ist nicht leicht, wird aber mit zunehmendem Alter leichter“, so der 62-jährige vierfache Familienvater. Er versteht es, in schwierigen Situationen und Verhandlungen stets Lösungen aufzuzeigen, Streit zu schlichten, Wogen zu glätten. Dabei drängt er sich nicht nach vorne, sondern agiert lieber im Hintergrund – ruhig, besonnen, diskret. Jedes Jahr begibt sich der aktive Katholik ins Kloster, um bei Exerzitien Ruhe und Kraft zu finden.
Karriere. Der Betriebswirt und Philosoph van Rompuy absolvierte seine Studien an der Katholischen Universität im belgischen Leuven. Seine berufliche Laufbahn hat er 1972 als Attaché für Inneres bei der Belgischen Nationalbank begonnen. Von 1975 bis 1980 arbeitete er als politischer Berater. Politisch aktiv wurde van Rompuy in der Christlichen Volkspartei (CVP). Seit Mitte der achtziger Jahre zählte er zur Parteispitze; von 1988 bis 1993 war er Vorsitzender der CVP, danach bis 1999 stellvertretender Premier- und Haushaltsminister. 1995 wurde der gebürtige Brüsseler Mitglied der Abgeordnetenkammer. 2008 übernahm er das Amt des Premierministers.
Hermann van Rompuy: „Wir sind nicht ewig und wir sind nicht unersetzlich. Für manche ist das ein großes Problem. Nicht für mich.“