Ausgabe: 2010/03, Synagoge, Hans Baumgartner, Mission, Papst Benedikt, jüdische Gemeinde, Rolf Hochhuth, jüdische Geschwister, Papst aus Deutschland
20.01.2010
Es war keine einfache „Mission“, die sich Papst Benedikt für den vergangenen Sonntag vorgenommen hatte. Die jüdische Gemeinde an der großen römischen Synagoge hat Selbstbewusstsein – und sie gilt als durchaus vatikankritisch. Dazu beigetragen hat auch das – bis heute nicht völlig geklärte – Verhalten von Papst Pius XII. gegenüber dem Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten. Dabei wirft man dem Papst nicht nur „diplomatisches Versagen“ vor, sondern auch persönliches Wegschauen während der „Judenrazzien“ im NS-besetzten Rom.
Längst hätte die Kirche zur Klärung beitragen und damit dem Schauermärchen von Rolf Hochhuth („Der Stellvertreter“) entgegentreten können. Aber, trotz vieler veröffentlichter Archivbände, es bleibt bis jetzt ein Rest im Dunkel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es gerade aus der jüdischen Gemeinde von Rom kritische Stimmen gibt, wenn ein Papst einem anderen Papst einen „heroischen Tugendgrad“ bestätigt, bevor man bereit ist, restlose Aufklärung zuzulassen.
Wenn es kein Zufall war, dass der „Papst aus Deutschland“ ausgerechnet am „Tag des Judentums“ die Synagoge besucht hat, dann darf man gespannt sein, was kommt. Denn diesen Tag haben die christlichen Kirchen Europas vor allem zur Reinigung des eigenen Gedächtnisses und der eigenen Schuld gegenüber den jüdischen Geschwistern beschlossen. Ein gut angenommener Besuch in der Synagoge kann die Stimmung verbessern, aber er ist kein Ersatz für die vom letzten Konzil gewollte Annäherung.