Vom 26. Jänner bis 1. Februar werden die ORF-Publikumsräte neu gewählt
Ausgabe: 2010/03, Publikumsrat, Stimme der Familien, Familienverband, Clemens Steindl, Ingrid Geretschläger, ORF-Wahl, Lebenswirklichkeit, Familien, Erziehung, MiniZIB, Familienserien, Werte, ORF, ORF-Gremium
20.01.2010
- Hans Baumgartner
„Ich bin kein Don Quichote, der gegen Windmühlen kämpft. Aber es muss doch möglich sein, dass im ORF ein realistischeres Bild von der Lebenswirklichkeit der Familien gezeichnet wird.“ Dafür will sich Clemens Steindl im ORF-Publikumsrat einsetzen. Vom 26. Jänner bis 1. Februar wird gewählt.
Warum kandidieren Sie als Präsident des Katholischen Familienverbandes für den ORF-Publikumsrat? Steindl: Das fragten mich viele meiner Freunde in den vergangenen Tagen auch, warum ich mir das antue. Aber im Ernst: Als größte gesellschaftspolitisch aktive Familienorganisation kann es uns nicht gleichgültig sein, welches Bild von Familie im wichtigsten Medium des Landes gezeichnet wird und was an Information Kindern, Jugendlichen und Eltern angeboten wird, damit sie in ihrer Lebenswelt besser zurechtkommen. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, dass wir als starke Stimme der Familien im ORF-Publikumsrat vertreten sind. Während früher der Katholische Familienverband einen fixen Platz in der Hörer- und Sehervertretung hatte, können wir jetzt die Interessen der Familien im ORF-Publikumsrat nur dann vertreten, wenn wir uns an der Wahl beteiligen und die entsprechende Zustimmung erhalten. Ich stelle mich dieser Wahl auch deshalb, weil ich überzeugt bin, dass die Familien ein ganz entscheidender Faktor für die Entwicklung unseres Landes und der Lebenschancen der Menschen sind. Erst vor kurzem wurde in Deutschland eine Studie der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht, in der es sinngemäß heißt, ohne Familie hat die Gesellschaft keine Zukunft.
Glauben Sie, dass Sie im Publikumsrat, bei dessen Zusammensetzung die Politik kräftig mitmischt, etwas erreichen können? Steindl: Nun, ich bin kein naiver Don Quichote. Aber ich bin überzeugt, dass man etwas erreichen kann, wenn man sich mit einem langen Atem kompetent und engagiert einsetzt. So etwa konnte unsere langjährige Hörer- und Sehervertreterin Ingeborg Schödl seinerzeit die Einführung der Kindernachrichtensendung „MiniZIB“ erreichen, die trotz großer Anerkennung leider wieder abgesetzt wurde. Ihr gelang es auch, eine eingehende Auseinandersetzung über das Thema Gewalt im Fernsehen anzustoßen. Ich meine, der Publikumsrat sollte kein zahnloser Papiertiger sein. Ich sehe ihn als eine wichtige Verbindungsbrücke zwischen den ORF-Verantwortlichen und den Bedürfnissen und Wünschen der Zuhörer und Zuschauer. Deshalb fordere ich auch, dass die Öffentlichkeit über Eingaben, Vorschläge und Initiativen von Publikumsräten – und was damit geschieht – in geeigneter Form informiert werden muss. Ich bedauere deshalb auch, dass der ORF über die Publikumsrats-Wahl so wenig informiert und dafür einen so umständlichen Wahlmodus vorgesehen hat.
Sie kritisieren, dass im ORF die Lebenswirklichkeit der Familien zu wenig berücksichtigt wird. Woran machen Sie das fest? Steindl: Ich berufe mich da vor allem auf die im Vorjahr veröffentlichte große Wertestudie. Darin heißt es, dass die Lebenswirklichkeit der österreichischen Familien keineswegs dem Bild entspricht, das in den Medien davon vermittelt wird. Ich fordere keine Sendungen mit naiven Familienidyllen, aber ich erwarte mir vom ORF, dass er das in der Praxis und in den Idealen der Österreicher/innen vorherrschende Bild von Partnerschaft und Familie auch in seinen Programmen abbildet und in den Ratgebersendungen die echten Bedürfnisse der Familien stärker wahrnimmt.
Zur Sache
ORF-Publikumsrat
Der ORF-Publikumsrat soll die Interessen der Zuhörer- und Seherschaft vertreten. Von den 35 Mitgliedern können allerdings nur sechs direkt gewählt werden. 17 ernennt der Bundeskanzler auf Grund von Dreiervorschlägen gesellschaftlicher Einrichtungen (Jugend, Bildung, Senioren, Behinderte etc.). Der Rest wird von Kammern, Parteien und Kirchen (2) entsandt. Von den sechs Mitgliedern, die der Publikumsrat in das oberste ORF-Gremium, den Stiftungsrat, entsendet, müssen mindestens drei direkt gewählte sein. Alle 3,2 Millionen ORF-Gebührenzahler erhalten in diesen Tagen ein Wahlformular. Dieses kann nur mittels Fax zwischen 26. Jänner und 1. Februar an den ORF geschickt werden. Wer keinen eigenen Faxzugang hat, kann auf Post- und Gemeindeämtern gratis faxen. Für den/die jeweilige Kandidat/in muss ein Code eingetragen werden. Der vom ORF festgelegte Wahlmodus erschwert die Wahl unnötig.
Das Programm
Einer der drei Kandidaten für den Bereich „Eltern bzw. Familien“ ist der Präsident des Katholischen Familienverbandes, Clemens Steindl (Code: E0324). Er wirbt um die aktive Unterstützung aller, denen eine starke Stimme für Familien im ORF ein Anliegen ist. Für die Wahl hat er ein ambitioniertes Programm vorgelegt. Er fordert
- die Wiedereinführung einer kindergerechten Nachrichtensendung (MiniZIB); - verstärkte Ratgeberangebote für Erziehung (Elternbildung), Partnerschaft oder Berufswahl; - keine Gewalt in Kinderprogrammen; - besondere Kennzeichnung von kinder- und familiengerechten Sendungen; - Familienserien, die der Realität in Österreich entsprechen, sowie neue Sendeformate für die ganze Familie.