Zwei Kilometer trennen den Vatikan von der Großen Synagoge am Tiberufer. Für den Papst aus Deutschland, so schrieb ein Korrespondent, war die Reise zu der alten jüdischen Gemeinde von Rom am vergangenen Sonntag weiter als manche Auslandsreise. Dazu hatten auch manche Irritationen im Vorfeld beigetragen: die neue Karfreitags-Fürbitte im „alten Messritus“, in der wieder die historisch sehr belastete „Bekehrung“ der Juden angedeutet wird; die Aufhebung der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner und Lefebvre-Bischof Williamson und die Anerkennung des „heroischen Tugendgrades“ für Papst Pius XII. noch vor der Öffnung aller Akten der Vatikanischen Archive zur NS-Zeit. Trotz mancher Befürchtungen verlief der Besuch in großer Herzlichkeit und in einer Atmosphäre ehrlicher Offenheit. Papst Benedikt bekannte die Schuld der Christen am Antijudaismus und warb um eine Verstärkung des gegenseitigen Bemühens um Dialog und Überwindung der bestehenden Fremdheit. Gemeinsam mit Oberrabbiner Riccardo Di Segni nannte der Papst eine Reihe von Feldern, wo eine Zusammenarbeit von Juden und Christen von den gemeinsamen Zehn Geboten her sinnvoll wäre. Der Präsident der jüdischen Gemeinde, Riccardo Pacifici, sprach vom Tod seines Großvaters im KZ, vom Einsatz vieler Orden für die Juden Roms und vom Schweigen Pius’ XII.