Großeltern spielen eine besondere Rolle im Leben von Kindern. Sie geben Sicherheit und sind für ihre Enkel da, wenn sie zu Besuch sind.
„Großeltern sind meistens viel entspannter“, sagt Julia Csongrady. Die Kinderpädagogin ist selbst Großmutter und begleitet Großeltern in Seminaren. Der Titel ist Programm: „Großeltern, die beste Erfindung, seit es Kinder gibt“. Großeltern haben das Vertrauen, dass Krisen überwunden werden können, weil sie selbst zumindest ein Kind bis ins Erwachsenenalter begleitet haben und die verschiedenen Entwicklungsphasen eines Kindes kennen. Sie haben auch den Vorteil, sich den Enkelkindern freiwillig zu widmen. Auch wenn manche Großeltern in der Pflicht stehen, weil sie ihre Kinder unterstützen, etwa bei Alleinerziehenden, so ist doch immer der Wunsch da, sich eine schöne Zeit mit den Enkelkindern zu gestalten.
21 Jahre Erfahrung. Dass die Zeit mit ihren Enkeln wirklich schön für sie ist, hört mansofort, wenn Maria und Wilhelm Roth darüber erzählen. Das älteste ihrer inzwischen zwölf Enkel ist 21 Jahre alt, die jüngsten beiden – Zwillinge – sind etwas mehr als ein Jahr alt. Sie leben mit ihrem vier Jahre alten Bruder und Mama und Papa im Stockwerk über Oma und Opa. Fünf Kinder haben Maria und Wilhelm großgezogen. Dem jüngsten Sohn gehört jetzt das Haus. Die beiden sind sehr glücklich darüber, dass eines ihrer Kinder da ist und dass es mit den Buben so lebendig um sie ist.
Mehr Zeit für Kinder. Über einen Unterschied im Leben mit eigenen Kindern oder Enkelkindern muss Wilhelm Roth nicht lange nachdenken: „Für die eigenen Kindern hab ich bei Weitem nicht die Zeit gehabt.“ Dieses Mehr an Zeit mit den Enkeln genießt er sehr. Als Beispiel erzählt er: „Johannes sagt: ,Opa, richtest du mir meinen Gokart her?’ Und wir bauen ihn miteinander auseinander, ich repariere ihn und wir bauen ihn wieder zusammen. Repariert hab ich auch die Fahrzeuge unserer Kinder, aber ohne sie, weil es schneller geht.“
Eigene Regeln. Das Schöne für Maria Roth ist, „dass man sie verwöhnen kann und nicht mehr in der ersten Verantwortung steht“. Ein beliebtes Abenteuer mit den größeren Enkeln waren Ausflüge zum nahe gelegenen Bach, das Essen haben sie im Leiterwagen mitgenommen. Im Wohnzimmer bei Oma und Opa „Höhle bauen“ ist auch bei den Jüngsten wieder begehrt. Natürlich müssen sich die Kinder auch bei den Großeltern an Regeln halten. Und manche Regeln geben die Eltern vor. Wie Kinder versuchen, sich daran vorbei etwas zu erschwindeln, ergibt lustige Geschichten. „Es ist nie so, dass Kinder bei den Großeltern verdorben werden“, sagt Julia Csongrady, weil sie weiß, dass manche Eltern genau das befürchten. „Man muss nur aufpassen, dass die Kinder das nicht ausspielen. Das Gespräch zwischen den Generationen ist da besonders wichtig.“
Sicherheit. Julia Csongrady meint, dass Großeltern den Kindern auch Sicherheit geben. Ihnen wird bewusst, dass hinter den Eltern noch jemand steht, der für sie da ist. Viele Kinder wollen deshalb immer wieder hören, wie das „früher“ war. Das Bedürfnis nach Tiefe, den Dingen auf den Grund zu gehen, trifft sich mit dem Verlangsamen der Zeit, wenn Großeltern nicht mehr so aktiv sein müssen.Konflikte. Die Erwachsenenbildnerin hat manchmal mit Generationenkonflikten zu tun. „Für die Kinder ist es das Beste, wenn sie nicht Objekte eines Konflikts sind“, sagt sie. „Sie wollen ja von allen geliebt werden und alle lieben dürfen.“ Großeltern müssen akzeptieren, dass ihre Kinder nun selbst Eltern sind, und die Eltern müssen sehen, dass sie Erwachsene sind. Sie dürfen nicht in ihrer Kinderrolle verhaftet bleiben. Wer sich das bewusst macht, kann über Probleme auch reden.