Die Vorsitzende der Frauenkommission, Ursula Steiner, über die Bedeutung einer geschlechtergerechten Sprache in der Liturgie und worin die Kirche für Frauen anziehend ist.
Das Gespräch führte Josef Wallner.
Was ist die Aufgabe einer Frauenkommission der katholischen Kirche?
Steiner: Wir möchten die Frauen bestärken, innerhalb der Kirche Wege zu gehen, die für die Frauen ermutigend sind. Das heißt zum Beispiel aufzuzeigen, dass Frauen als Seelsorgerinnen ganz wertvolle Dienste leisten. Das wollen wir unbedingt fest verankern und verhindern, dass das in Frage gestellt wird. Als Frauenkommission versuchen wir beizutragen, dass die Amtskirche die Lebenswelt der Frauen wahrnimmt und ernst nimmt.
Um welche Bereiche geht es da?
Viele Frauen fühlen sich durch die liturgische Sprache nicht angesprochen und verstehen sie auch nicht mehr. In meiner Pfarre Linz- Guter Hirte habe ich schon vor 15 Jahren die Liederbücher auf eine verständliche und geschlechtergerechte Sprache durchforstet. Die Pfarre bemüht sich in der gesamten Litiurgie um eine geschlechtergerechte Sprache. Das ist manchmal mühsam, stößt aber auf gute Resonanz. Die Frauenkommission sieht ihre Verantwortung auch darin, die Kirchenleitung auf den Umgang mit der Sprache aufmerksam zu machen.
Zwei Großprojekte, bei denen es entscheidend um die Sprache geht, sind gerade in Arbeit: das neue Messbuch und die Einheits-übersetzung der Bibel ...
Die Frauenkommission sieht auf beide Bücher mit Sorge. Wir haben schon Teile des Messbuchs gelesen. Es ist zu befürchten, dass das Kriterium der Verständlichkeit und der Geschlechtergerechtigkeit nur halbherzig umgesetzt wird. In einer Stellungnahme haben wir um Überarbeitung gebeten. Auch der Revision der Einheitsübersetzung sehen wir mit gemischten Gefühlen entgegen.
Was ist für Frauen an der Kirche anziehend?
Die biblische Botschaft – mit all ihren Haken und all ihrer Sperrigkeit. Vor allem die klare Beauftragung der Maria von Magdala als Verkünderin der sensationellen Botschaft von der Auferstehung Jesu – das ist für mich und viele Frauen faszinierend. Der Glaube gibt auch heute Antworten auf die Sorgen und Nöte der Menschen.
Zu einem konkreten Ergebnis der Arbeit der Frauenkommission: das mehrfach ausgezeichnete Gleichstellungsprojekt.
Die Frauenkommission und die Diözese Linz waren mit dieser 2002 gestarteten Initiative österreichweit Pionierinnen. Ein Teil dieses Projekts besteht im Aufbau und in der Betreuung eines Pools von Frauen, die sich auch für Leitungspositionen in der Diözese bewerben können. Uns fällt auf, dass mit Ausnahme der Leitung des Kommunikationsbüros alle höheren Stellen mit Männern nachbesetzt wurden: Finanzkammerdirektor, Ordinariatskanzler und Leiter der Kirchenbeitragsstellen. Hier brauchen wir noch einen langen Atem.
Was sind die Anliegen der Frauenkommission im gesellschaftlichen Bereich?
Frauen sollen verstärkt die Möglichkeit haben, ihren Beruf ausüben zu können. Doch die Familienarbeit tragen zum überwiegenden Teil die Frauen zusätzlich zur Erwerbsarbeit. Hier müssen wir die Männer mehr in die Pflicht nehmen. Man müsste auch für berufstätige Frauen die Rahmenbedingungen so ändern, dass sie führende Positionen einnehmen können. Frauen in Leitungspositionen, die Kinder haben, sind selten. Da ist Eva Glawischnigg von den Grünen eine Ausnahme.
ZUR PERSON
Ursula Steiner
Die Diplompädagogin Ursula Steiner ist seit Oktober 2009 Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Linz. Sie folgt Mag. Dorothea Schwarzbauer-Haupt, die nach zwölf Jahren aus der Kommission ausgeschieden ist. Steiner lebt in Linz, unterrichtet Deutsch für Migrantinnen beim Verein Begegnung „Arcobaleno“, ist verheiratet und hat drei Kinder. Neben ihrem Engagement in der Pfarre Linz-Guter Hirte und in der Frauenkommission ist sie auch Vizepräsidentin der Katholischen Aktion OÖ.
Der Diözesanen Frauenkommission gehören 22 Delegierte an. Sie wurde 1997 von Bischof em. Maximilian Aichern als Beratungsgremium des Bischofs in Frauenfragen errichtet und ist Teil der diözesanen Kirchenleitung mit Sitz und Stimme im erweiterten Bischöflichen Konsistorium. Die Frauenkommission versteht sich als Interessensvertretung von in der Kirche lebenden und arbeitenden Frauen und setzt sich als ein Ziel die strukturelle Gerechtigkeit für Frauen in der röm.-kath. Kirche.