Kirche & Kunst: Reihe kunstgut I alt & neu zeigt künstlerische Arbeiten aus Oberösterreich
Ausgabe: 2010/03, Martin Schrems, Elisa Treml, Festkleidung, Priester, Kleid, Messe.
26.01.2010
- Martina Gelsinger/Elle
Die Reihe „kunstgut I alt & neu“ wirft sechs Mal im Jahr einen Blick in die Schatzkiste des Kunstguts der Diözese Linz. Den Beginn macht ein Messkleid für den Neupriester Martin Schrems. Die Kunststudentin Elisa Treml hat dieses Kleid geschaffen.
Ob durch edle Stoffe, in außergewöhnlichen Farbkombinationen und exzellenter Passform: Kleidung unterstreicht die Festlichkeit eines Anlasses. Messkleider haben darüber hinaus eine weitere Funktion. Sie weisen symbolisch über die Person hinaus, die sie trägt, und zeichnen deren Funktion aus.
Alltag und Festtag. Schmale Farbverläufe aus Seide fassen die weiten Bahnen des unbehandelten Mühlviertler Leinens ein. Das kräftige Rot am unteren Ende geht in feinen Farbnuancen in ein Orange über und scheint in einem hellen Gelb zu verblassen. Feine Seide und grobes Naturleinen, Fest und Alltag durchdringen einander im Messkleid von Martin Schrems. Die strahlenden Farben gehen einen reizvollen Kontrast mit dem matten Grau-Braun-Ton des Leinens ein. Das Gebrauchsgewand umhüllt den Priester, die Farbstreifen am Rand und in der Körpermittelachse weisen zusammen mit den Seidenstolen in den Farben Weiß, Rot, Violett und Grün über den Alltag hinaus, deuten die Besonderheit der Feier an.
Gegenwart und Zukunft. Martin Schrems wurde im Juni 2009 zum Priester geweiht, feierte die Primiz in seiner Heimatpfarre Mauerkirchen und ist derzeit Kaplan und Religionslehrer in Bad Ischl: „Ich bin Priester in der Gegenwart und gehe mit den Menschen in die Zukunft“, so Schrems. Diese Haltung sollte auch zusammen mit seiner Persönlichkeit im Messkleid zum Ausdruck kommen. Nach Beratung mit dem Kunstreferat der Diözese hat er Elisa Treml, Studentin des Fachbereiches Textil, Kunst & Design der Linzer Kunstuniversität, mit der Gestaltung beauftragt. Die aus Altmünster stammende Künstlerin hat bereits mit der Wandinstallation „Begegnung mit Sidonie“ ein viel beachtetes Kunst-am-Bau-Projekt in der Linzer Fachhochschule realisiert. Mit der außergewöhnlichen Aufgabe, ein Messkleid zu gestalten, hat sie sich intensiv auseinandergesetzt. Ihr Anspruch war es, mit dem Kleid Persönlichkeit und Dienst des Trägers zugleich sichtbar werden zu lassen. Die Seidenstreifen hat Elisa Treml aus selbst gefärbtem Garn gewebt. Inspirationsquelle war der Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi. Das einfache, unbehandelte Naturleinen steht für eine bodenständige, demütige Haltung des Trägers – die Seidenstreifen lenken den Blick auf die Gesten des Priesters.
Hoher Aufwand für besonderen Anlass. 750 Arbeitsstunden verbrachte die Künstlerin mit dem Austüfteln der Farbverläufe, dem Färben, Weben und anderen Arbeitsschritten. Am Handwebstuhl ist die Arbeit innerhalb eines Jahres langsam gewachsen. Das Kleid und die Stolen sind ein Primiz-Geschenk vieler Menschen, die das Projekt dadurch ermöglichten. „Liturgie ist etwas Besonderes. Es geht darum, den Alltag zu durchbrechen. Wir verwenden auch kein normales Wasser- oder Weinglas für die Messfeier“ argumentiert Martin Schrems den Aufwand für das Kleid, das ihn sein Leben lang begleiten wird.
Kleider machen Leute, lautet ein altes Sprichwort. Manchmal gelingt es auch, dass durch Kleidung eine Persönlichkeit, eine Haltung oder ein Amt, das in der Gegenwart auch durchaus in einem Spannungsfeld wahrgenommen wird, überzeugend zum Ausdruck kommt. Elisa Treml ist dies mit dem schlichten und zugleich außergewöhnlichen Messkleid geglückt.